364 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXIX.
Werck recognofciret hatte, einen Ausfall auf deffen Spize, und brachte esdadurch dahin, daß man es verlassen muste. Man hatte dieses Werck, wiesder meine Meynung, angeleget, daher gab ich auch nicht zu, daß man es amTage zu behaupten suchte, sondern ich hinderte nur den Feind, daß er es nichtzerstöhren konnte, ließ es aber doch verlassen, weil dessen Erhaltung und Bedeckung den Tag über allzu viel Leute gekostet hätte.
Die böse Aufführung, so man, bey der Belagerung der Stadt Turin,im Jahr 1706. überhaupt beobachtet, hat offtmahls Anlaß gegeben, daß manin solche Ungelegenheiten gerathen, darinnen man sich zu befinden pfleget, wennman, zur Sicherheit seiner Arbeit, die behörige Vorsicht nicht gebrauchet, in-dem man auf einem unterminirten Glacis arbeiten laffet. Bey dieser Belasgerung sind unsere Bedeckungen und Stück- Gerüste stets in die Lufft geflogen, weil man nicht so tiefe Schachte gemacht, und die Batterien nicht mitso niedrigen Gången umgeben hat, daß man versichert feyn können, man feyunter des Feindes seinem weggegangen, maffen diefer feine aus dem HauptMinen Gang bis unter unsere Verschanzungen und Batterien erstreckte.Denn endlich gelanget man darzu, daß man die Minen- Gange und SprengGruben des Feindes entdecket, wenn man seine Sicherheit unter der Erdenehmen will, ehe man es mit den Verschanzungen über der Erde waget, angesehen man, so viel möglich, vermeiden soll, daß einem solche, durch Furnellen,nicht entzogen werden.
In dem Jahr 1709. haben die Feinde Tournai belagert; ich bin aberversichert, daß die zaghaffte Gegenwehr ist Ursach gewesen, daß sie ihre Ar-beit so auf dem Glacis haben führen können. Sie sind ohne alle Borsicht,in Ansehung der Sicherheit des Laufgrabens, dahin gekommen, massen dieser,vor dem Horn- Werck der Sieben- Brunnen, init keiner einzigen Parallele bebecket war.So haben sie auch, ohne sonderliche Sorgfalt, den lincken Arm diesesWercks umfasset, und sich längst demselben ausgestrecket, damit sie, vermittelsteiner doppelten Sappe, an die Blandinische Bastey gelangen, dabey aber gegendas Feuer, aus dem Hornwerck bey dem Liller- Thor, gesichert seyn möchten.Kurg,deren gesammtes Verhalten ist den Regeln der Kunst so gar zuwieder gewessen, daß solches niemahls zum Exempel dienen soll, weil man, bey Führungder Arbeiten, gegen einen nach der Kunst befestigten Ort, nicht unvorsichtighandeln, noch von den Regeln abweichen muß, damit man sich keinen Versluft, so man auf dem Glacis empfangen, vorzuwerffen, und sich selbst beyzusmessen habe, daß man nach den Regeln der Kunst sich zu verhalten nicht besfliffen gewesen sey..
Ich habe in meinen Grund Regeln bereits Erwähnung gethan, wieman sich verhalten, und was man forgfältig beobachten soll, wenn man eineFestung,