Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XL. 367
des Schlosses zu Namur fich also Mr. de Vauban ein abgesondertes Werck foan einem abschüßigen Ort, gegen der Sambre zu, befindlich, nicht angreiffen:man nannte selbigen die Cihorner- Schanke, weil solche von diesem berühmtenIngenieur war erbauet worden. Ob aber wohl derselbe der Meynung gewesen war, daß man dieses Werck unumgänglich angreiffen müßte, woferneman gedachtes Schloß einnehmen wolte, so hat es Mr. de Vauban dennoch ein-genommen, ohne daß er diese Schanze angegriffen hat. Welches denn abermahl beweiset, daß ein Aussenwerck so gut angeleget feyn mag als es wolle,man nichts desto weniger Umgang haben könne, dasselbige anzugreiffen, sobald man nur demselben ausser dem Schuß gehen, oder um solches herum ge-langen kan.
Bey der andern Belagerung der Stadt Namur, so von eben dem Cd-horn 1695. geführet worden, wolte dieser vortreffliche Ingenieur sich auch sehenlaffen und zeigen, daß er die neuen Wercke, so Mr. de Vauban zu Namur angesleget, verachten, und die Festung einnehmen könnte, ohne ermeldete neue Auffen-Wercke anzugreiffen, ob gleich Mr. de Vauban dafür gehalten, daß solche unumgänglich ordentlicher weise angegriffen werden müsten. Mr. de Vaubanhatte also die Anzahl der Reduten, welche die Fronte der Stadt bedeckten,nächst der, so Balar hieß, längst der Höhe, zu vermehren getrachtet. Allein wieich dieselben gesehen, so habe ich, die Wahrheit zu sagen, solche nicht wohl an-gelegt befunden, auch hat es mir gefchienen, als wenn man da das Feld nichtgenug sähe, die Circumvallation und die Eröffnung des Lauff- Grabens zu entsfernen. Zu dem waren diese Reduten nicht zusammen gehänget, noch auch miteinem bedeckten Weg, der von einer zu der andern gienge, so daß man in selbigebedeckt gelangen mögen, auf erforderte Art beschirmet, daher es mir so vorgeskommen, als wenn selbige eine so besondere Würckung nicht hervorbringenmöchten, daß man den Feind von der Festung lange Zeit abhalten könnte, welches iedoch eine von den Haupt- Ursachen ist, weswegen man Aussenwercke anszulegen pfleget. Auch machte sich der Feind daraus nichts mehr, als sich Mr.de Vauban aus der Sedute von Balar gemacht hatte.
Nach der lincken Seite der Reduten, und so gar über den neuen, so er-bauet worden, war ein Ort, den man le Coclet nannte. Weil nun der Marsschall von Bouflers damahls in Namur das Commando hatte, so hielt er dasfür, daß er diesen Poften in des Feindes Gegenwart befestigen, und eingroffes Corps zu Fuß darinnen sicher halten könnte, wiewohl ich meines Ortsnicht weiß, worzu diese kühne Befestigung dienen solte. Immittelst machteder Feind sich diese Verwegenheit zu Nutz: denn gleich wie man aus selbigerVerschanzung nicht weit sehen konnte, so fand ein wichtiges Corps zu FußGelegenheit, sich ganz nahe an gemeldete Verschanzung zu stellen, ohne daß
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