368 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XL.
man seiner da innen ward, auch griff man solche nachhero mit Gewalt an,und eroberte sie nach einem ziemlich langen Wiederstand. Doch verlohr manbey dieser Gelegenheit bey drey tausend Mann, so darinnen lagen, wodurchDenn die Eroberung der Festung gar sehr beschleuniget ward.
Ich führe dieses Erempel von einem Aussenwerck, so mit Gewalt angesgriffen und erobert worden, blos darum an, damit ich zu erkennen gebe, daßsolche sehr gefährlich sind, wenn man sie hartnäckig vertheidigen will, unddoch gleichwohl angegriffen werden mögen, ja auch gar schlechten Vortheilbringen, wenn solche von der Festung derinassen abgesondert und entfernetliegen, daß fie von deren Feuer nicht bedecket, sondern gegentheils umgebenwerden können, so daß die darinnen stehende Leute sich als Kriegs- Gefangeneergeben müssen, daferne man solche nicht zeitlich genug verläßt, aus Beysorge,Daß man sich nicht in die Festung zurück ziehen könnte. Über dies findet mannicht, daß die auf deren Erbauung verwendete Kosten nützlich genug angele-get worden, weil selbige den Verlust der Festung nicht lange aufhaltenmögen.
An der Spize des Schloffes zu Namur hatte Mr. de Vauban ein großses Werck, so man die Caffotte nannte, auf der lincken Seite derer Werckevon Terranuova und Cohorn, bauen lassen, und vermeynte, es wäre unmöglich, daß der Feind dem Schloß sich nähern könnte, daferne er dieses Werck,fo mit aller Sorgfalt der Befestigungs- Kunst angeleget war, zuvor einge-nommen hatte; dieweil es aber mit dem bedeckten Weg von dem Schloß keisne Communication hatte, so war es nur ein Aussenwerck, das von der ArtDerjenigen war, davon ich in diesem Capitel rede.
Gleichwohl hatte Mr. de Cöhorn keine Lust, sich diesem Werck mit Lauf-Gråben zu nähern, sondern ließ es so lange in Ruhe, bis er in die Basteydes Schlosses, nach der Sambre zu, eine Bresche geleget, und das Werck vonTerranuova zu Grund gerichtet hatte. Und als er darauf sich fertig gemacht,den Haupt- Wall des Schlosses zu bestürmen, so entschloß er sich auch zugleich, daß er den Weg zu der Caffotte, und die Caflotte selbst, mit Sturmerobern lassen wolte, so ihm auch, was dieses abgesonderte Werck anbelansget, sehr wohl von statten gieng.
Dieses Exempel von einem Aussenwerck, so mit dem Haupt- Wall keine Communication gehabt, und durch einen Haupt- Sturm angegriffen underobert worden, ist von einer ganz andern Beschaffenheit, als das von demCoclet, Denn die Cafforte war mit Mauerwerck wohl eingefaßt, undmit einem guten bedeckten Weg, so verpallisadiret, rechtschaffen versorget,über dies lag vor demselben ein sehr schönes umgekehrtes Glacis, und stundenviele Leute in diesem Posten. Gleichwohl ward dieses Werck angegriffen
und