Buch 
Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
Entstehung
Seite
396
JPEG-Download
 

396 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XLVIII.

ses dem Feuer der feindlichen Infanterie, so man auf die Dächer gestellet hatste, ganz und gar unterworffen war, angesehen diese gerade in die Verschan-zungen hinein schieffen konnten. Hätte man nun, wie man sich leicht einbilDen konnte, daß solches geschehen würde, gebührende Sorge dafür getragenund nöthige Anstalt dargegen gemacht, so ist gar wahrscheinlich, daß derFeind, an das Werck von Terra nuova und an den Fuß der Bresche, ohneeinen sehr wichtigen Verlust, nicht hätte gelangen können. Ja man warauch noch vor diesem Tage nicht einmahl bedacht gewesen, das Obertheil desverschanzten Lagers, welches niemahls seine Vollständigkeit erreichet hatte,mit einigen verpallifadirten Reduten zu versehen. Das Feuer aus dergleichenReduten hatte den Feind abermahl abgehalten, in guter Ordnung an die Caffotte zu gelangen, und deren Contrescarpe, vermittelst eines allgemeinen Angriffs, zu bestürmen: angesehen der Feind solche Reduten ganz unumgångslich hatte angreiffen müssen, ehe er an die Contrescarpe der Caffotte rückenkönnen, und dieses wegen des Feuers, so er in der Seite auszustehen gehabt,und ihm allzu beschwerlich würde gewesen seyn, wenn er seine Einrichtung zueinem allgemeinen Angriff, unter so vielen bereit gehaltenen Feuern, hättemachen wollen.

Diefes letzte Exempel wird mir genug seyn, zu zeigen, daß Namur, mit derFähigkeit, die von einem Gouverneur erfordert wird, seinem Feind ein so groffesVorhaben, wie die Belagerung der Stadt Namur war, zu Wasser zu maschen, nicht ist vertheidiget worden: die Festung war ja von einem sehr weitenUmfang, und der König hatte eine stareke Befaßung hinein legen lassen, wieDenn auch an allen Mitteln, zu einer langen Gegenwehr, darinnen gar keinMangel war.

Damit ich aber der Eintheilung nachgehe, die ich in dem Capitel vonDer Bertheidigung der Festungen gemacht habe, so will ich anieho von denFehlern reden, die man in der Vertheidigung der Stadt Lille 1708. in Anse-hung der Materie dieser ersten Eintheilung, begangen hat.

Der Marschall de Bouflers, General Statthalter des FranzösischenFlandern, und insonderheit Gouverneur von Lille, oder Ryssel, vertheidigteDiese Festung, gegen die Armeen der Alliirten, welche diefelbe belagert hielten.In dieser Festung Lille war nun eine Besaßung von funffzehen bis sechzehentausend Mann, und der Feind griff gleichwohl den Ort nur auf der Seite desMagdalenen- Thors, vor einer Fronte Festungs- Wercke, so bey nahe tausfend Ruten hielt, mit seiner Macht an. Ja dieser Angriff ward so gar,durch die Deule, getheilet, und also fiehet man, daß die Feinde sich, vor einerFronte der Festung, vermittelst zweyer Angriffe, näherten, die doch keineCommunication, als von einer Seite des Flusses auf die andere, unter sich hat

ter