Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XLVIII. 395
Der andere Fehler, so in Ansehung der allgemeinen Vertheidigung dabegangen worden, bestehet darinnen, daß man nicht zuvor gesehen, die StadtMauer sey an dem Ufer der Ober- Maas nicht mit Erdreich bedecket, und daher leichtlich geöffnet, und in wenig Stunden, mit den Stücken, zerstöhret wersDen könnte, insonderheit da man bereits sahe, daß der Feind, auf der andernSeite der Maas, gedachter Mauer gegen über, Canonen auf die Batterienpflanzete, und gleichwohl die Arbeiter, so man zu obgedachter grossen Ver-schanzung vergebens brauchte, nicht angewendet hatte, mehr erwähnte Mauermit Erdreich zu versehen, oder doch wenigstens inwendig einen guten Grabenmachen zu lassen. Dieses ist abermahl ein Haupt- Fehler, in der Vertheidigung der Stadt Namur, gewesen, immassen der Feind, als er die Contre-scarpe, ja auch den Haupt- Wall, auf der ganzen Fronte des angegriffenenPolygons, bestürmete, sich nicht weniger längst der Maas, so damahls seichtewar, wegschliche, und durch diese niedergeschossene Mauer, hinter welcher erkeine Hinderniß fand, in die Stadt hinein brach.
Dieses andere Erempel wird die Commandanten lehren, daß sie auf al-les, was ihre Gegenwehr versichern kan, unaufhörlich dencken müssen, ingleichen daß sie den Theilen, welche sie vertheidigen, solche Beschirmung beyfugen sollen, davon der Feind nichts weiß, niemahls aber müssen dieselbigen sovermesser seyn und sich einbilden wollen, daß sie einem Vorhaben, welchesder Feind mit einer grossen Obermacht zu vollziehen suchen möchte, wiederstehen können, daferne sie demselben nur mit der Mannschafft, welche vornenzur Gegenwehr bestimmet, zu begegnen im Stande sind, massen diese alle-mahl, durch die grosse Menge, unterdrücket wird; daher müssen sie für dieSeiten selbiger Angriffe, mit grossem Fleiß und Klugheit, Sorge tragen, unddieselben, durch das Feuer aus den Wercken, die der Feind nicht umfassenoder mit seinen Stücken ruiniren mögen, sorgfältig zu behaupten suchen.
Der dritte wichtige Fehler, so bey Vertheidigung der Stadt Namurbegangen worden, ist derjenige, welchen man an dem Tage, da der allgemeine Sturm auf das Schloß geschehen, begangen hat. Man hatte nehmlich nicht zuvor gesehen, daß der Feind oben auf die Boden der Häuser in derStadt, längst der Sambre, dem Schloß gegen über, eine grosse Menge Fuß-Volcks stellen könnte, und daß das verborgene Feuer dieser Infanterie demFuß- Volck, welches unten an dem Schloß in den Wercken stund, welchedas Waagen- Thor und die Seiten des Wercks von Terra nuova gegen derSambre, wie auch den Untertheil der Bresche an der Bastey des Schlosses,bedeckte, gar überaus beschwerlich fallen würde. Dieser Mangel der behorigen Vorsicht, die man wenigstens auf eine tüchtige Blendung richten sollen,damit gedachtes Fuß- Volck bedeckt gewesen wäre, verursachte also, daß diesDDD 2
ses