400 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XLVIII.
und zu keiner Zeit von Bemühungen und Arbeit befreyet geblicben ist, so dochfür den Officier so wohl, als für den Soldaten, wie ich daselbst versichere,eine schlechterdings nöthige Sache ist, damit solche desto länger bey Gesundheit, und im Stande zur Bertheidigung der Festung das ihrige beyzutragen,erhalten werden mögen. Und ob auch schon das Volck zu Lille zahlreich undwohlgesinnet war, so hat man doch von selbigem keine Dienste, weder zu Erleichterung der Besakung, noch zu Erhaltung des Orts, anzunehmen sich gefallen laffen.
Man hat gesaget, daß es dem Marschall von Bouflers, gegen das Endeder Belagerung, an Lebens- Mitteln fehlete, so gar daß er, in die Citadelle,für die darinnen befindliche Besatzung, keine hinlängliche Menge darvon hinein bringen können. Nun ist dieses wohl der Wahrheit gemäß; allein derFehler kan diesfalls nichts anders beygemessen werden, als der schlechten Ord-nung und dem Mangel einer guten Haußhaltung, bey Austheilung des Prosviants, die einmahl wie das andere gleich gewesen, also, daß man sich nicht besFümmert hat, wie man gedachte Austheilung der Lebens- Mittel, nach derMaasse, da die Leute entweder durch den Tod, oder durch Kranckheiten, denDiensten entzogen würden, der Gebühr nach, vermindern wolte. Bey Fortsetzung der Belagerung theilte man einer sehr geschwächten Compagnie ebenso viel Lebens- Mittel aus, als man selbiger zugeordnet hatte, da sie weitstärcker war, und also gab man, gegen das Ende der Belagerung, bey naheDoppelt so viel weg, als nöthig gewesen wäre. Daher würde diese einzigeUnordnung, in der Austheilung des Proviants, den Verlust der Festung verursachet haben, wenn solche gleich auch noch so wohl versehen gewesen wäre.Man siehet demnach, aus demjenigen, was ich alleweile gefaget habe,Daß die Verfassung die Stadt Lille zu vertheidigen, in allen ihren Theilen,bose gewesen sey,
Gleichwie auch durch die Eroberung der Stadt Tournai in dem Jahr1709. es mit unfrem Unglück auf das höchste gekommen, so will ich das Ver-halten des Herrn de Surville, welchem der König die Bertheidigung diesesOrts anvertrauet hatte, etwas weitläufftiger vorstellen, und vornehmlich zweyDinge zu erkennen geben. Erstlich, daß Mr. de Chamillard, der damahlsnoch das Amt eines Staats- Ministers von den Kriegs Sachen verwaltete,nicht gebührende Sorge getragen, den Ort auf behörige Art zu versehen, welches denn die wesentliche Ursache gewesen, wodurch unsere Feinde auf dieGedancken gebracht worden, diese Belagerung vorzunehmen, weil sie gewust,daß es bey nahe an allen Dingen, so zu Bertheidigung der Festung nöthigwaren, darinnen fehlete. Zum andern, daß Mr. de Surville, in seiner ganßen Aufführung, bey nahe wieder alle Regeln, die ich zu Verfertigung einer
guten