402 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XLVIII.nachdem Mr. de Surville die Stadt schlecht vertheidiget, und die Citadelle,aus Mangel an Proviant, übergeben hat, so würden diese fünff Bataillonsmehr, in Ansehung des täglichen Aufgangs, den selbige verursachet hatten,weiter nichts geschaffet haben, als daß man den Ort desto eher würde habenübergeben müssen.
Nachdem ich nun die Zeit, so vor der Berennung hergegangen, aufdiese Maasse untersuchet habe, so müssen wir nunmehro auch überlegen, obMr. de Surville, nach den Regeln, die ich eine Festung wohl zu vertheidigenoben gegeben, sich geschicklich, und mit Klugheit, verhalten habe. Ich habegefaget, daß die erste Sorge eines Gouverneurs feyn soll, seine Festung ausswendig und inwendig zu kennen; die andere hiernächst wäre, eine gute Verfassung zur Gegenwehr zu machen, so wohl in Ansehung der Dienste derTruppen, als auch in Betrachtung der Hülffe, so er von den Einwohnern er-halten könnte, ingleichen was er von Lebens- Mitteln, Kriegs- Nothdurfft, undandern erforderten Dingen, über diejenigen, so in des Fürsten Magazinen anzutreffen, in der Festung finden möchte. Lasset uns demnach erwägen, ob Mr.de Surville allen diesen Pflichten Genüge gethan habe, und ob seine Aufführung so beschaffen gewesen sey, wie das Verhalten eines Commandanten,welcher die Festung, so ihm sein Fürst anbefohlen, rechtschaffen vertheidigenwill, nothwendig seyn muß.
Damit ich aber diese Untersuchung ordentlich anfange, so werde ich sagen, daß Mr. de Surville niemahls erkannt habe, was das, durch die Schleusfen, zurück gehaltene und aufgeschwollte Wasser für eine Würckung hervorbringe. Hätte er den gleichen Boden um seine Festung herum gewust, undvon dem ersten Tage an, da er eingeschlossen worden, oder auch gar zuvor,falls es das Wasser zu fammlen nöthig gewesen, darauf gedacht hätte, dasaufgeworffene Erdreich, von dem Damm, welcher den Weg nach Valencien-nes formiret, wenigstens so weit es hätte seyn können, in die Festung bringenzu lassen, und die Schleussen bey dem Valencienners Thor verstärcket und aufgeschwöllet hatte; so ist es gewiß, daß die Überschwemmung über den Weggegangen wäre, und folglich dieser Angriff von dem Feind nicht hätte können formiret werden: ja wenn er auch nur diesen Weg an vielen Orten hättedurchstechen lassen, so ist es gleichfalls sicher, daß eben das Wasser gegen derBastey du Luguet und der von Antoing würde aufgeschwollen seyn, dergestalt,daß er dem Feind nicht nur den Angriff vor dem Valencienner- Thor würdeentzogen, sondern ihn vielleicht wohl gar gezwungen haben, daß er den An-griff von Marvis nicht anders formiren können, als wenn er sich nach demHornwerck, das in Ansehung der Festung zur lineken dieses Thors ist, geswendet hätte.
Solchem