Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XLVIII. 405Dahin verabfolgen lassen wolte, immassen die Langwierigkeit dieser Belagesrung für die Einwohner der Stadt anders nichts mehr, als die Verwüstungund den Untergang ihrer Häuser, zuwege bringen konnte.
Was ich hier sage, das ist so gewiß, daß ich aus dem Tage- Registerder Belagerung der Stadt Tournai ersehe, daß Mr. de Surville erst am 20ftenhat angefangen Getreide aufzubringen, um solches in die Citadelle führen zulaffen. Allein um eben die Zeit erhub sich ein solcher Aufstand unter dem Volck,daß auch ein Böttger unter demselben mit vollem Halse schrie: man willuns ungers sterben lassen; zugleich auch, mit einem Bajonet in derHand, auf den Herrn de Surville losgieng und ihn niedermachen wolte.
Wenn demnach, vermöge meiner Regeln, wie man eine gute Verfassung zu Vertheidigung einer Festung machen soll, Mr. de Surville, noch vorDer Belagerung, eine genaue Kanntniß von allem Getreide, das bey den Pri-vat Personen befindlich war, gehabt hätte, so wäre es ihm gar wohl möglichgewesen, gleich von dem ersten Tage an, da die Festung berennet ward, einemjeden, nach Maasse der Quantitat, so ihm nöthig geschienen, so viel davonwegzunehmen, hätte auch einem jeden, dem er Getreide abgenommen, einenSchein über die Quantität, so man von ihm bekommen, ausstellen können,daß er ihm dasselbige, nach der Belagerung, entweder in Natur, oder anGelde, wieder erstatten lassen wolte. So muß es ein Gouverneur bey vor-fallender Noth machen, wenn er eine so wohl gegründete Ursache, als desFürsten Dienst ist, vor sich hat.
Bey den übrigen Mangel der Sorgfalt, in Ansehung des Hafers,Heues, Strobes, Fleisches und Getränckes, will ich mich hier nicht langeaufhalten, sondern es wird mir genug seyn, wenn ich sage, daß, nachdem Mr.de Surville vor das Brod die erforderte Sorge nicht getragen hat, es garkein Wunder sey, daß er auf andere Dinge, so nicht unumgänglich nöthig,nicht bedacht gewesen sey. Ich will noch eine Anmerckung beyfügen, damitich zeige, wie weit man mit der Nachläßigkeit, in der Känntniß derer in derFestung enthaltenen Sachen, gegangen sey. Man muste nehmlich das Strohaus den Bett- Sacken nehmen, denen Soldaten Wind- Schirme oder Hüttenzu machen, weil diese weder in den bedeckten Wegen, noch auf den Wercken,iemahls abgelöset wurden, da immittelst, bey den Jesuiten, ganze Boden dasvon voll lagen, welches dem Herrn de Megrigny, Gouverneur von der Cistadelle, zuständig war, massen dieser gedachten Patern hatte versprechen lassen, daß er ihnen dasselbige, nach der Belagerung, sie möchte gleich ablauf,fen wie sie wolte, in eben der Anzahl wieder erstatten wolte. Also daß selbisge gar nicht sagten, daß sie gedachtes Stroh bey sich hätten, wie es dennauch in der That zu des Königs Diensten nicht angewendet ward. Diesem
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