Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XLVIII. 409nicht vernünfftig ist, dergleichen Krafft von einem Menschen zu erforDern.
Von dem 8ten bis auf den 14den sehe ich von Seiten des Feindes nurdie gewöhnliche Aufführung mit der Arbeit gegen die Festung zu rücken, undeine zahlreiche Artillerie auf die Batterien zu bringen; unsers Orts aber werde ich, diese ganze Zeit über, weiter nichts innen, als zwey kleine Ausfällevon zwanzig Grenadiers, welche es dahin brachten, daß die Feinde die Spizeihrer Arbeit, so mit der halben Sappe verrichtet ward, verlassen musten; wiewohl gedachte Grenadiers keinen Hauffen auf dem Bauch liegend angetroffen, solche Arbeit gegen die kleinen Ausfälle zu bedecken, worinnen es jedoch,wie mich bedüncket, dem Feind an Vorsicht gefehlet hat, und daher hätte dieseWissenschafft zu mehrern dergleichen kleinen Ausfällen bewegen sollen, weilfelbige so glücklich ablieffen, daß die Grenadiers die langst der Sappe hingesstellten und noch unausgefüllten Schanz Körbe mit sich zurück brachten.
Am 14. frühe erkannte man auf dem Angriff der Sieben- Brunnen, daßDer Feind mit einem kleinen Neben- Laufgraben angerücket war, doch wirdDieses in dem Tage- Register, ohne sonderliche Aufmercksamkeit, angeführet,weil man über diese Arbeit vermuthlich keine ernsthaffte Betrachtung angestellet hatte, unerachtet man nachhero sehen wird, daß solche von sehr grofferFolge gewesen sey, massen die Ruhe, in welcher man diesen kühnen NebenLaufgraben ließ, den Feind von unserer zaghafften Gegenwehr versicherte,und ihn auf den Entschluß brachte, zwischen den beyden Horn- Wercken derSieben- Brunnen und bey dem Nyffeler- Thor, sich der Blandinischen Basteyzu nähern, ehe er sich noch des Hornwercks der Sieben- Brunnen bemeisterthatte, so daß er an das bey dem Russeler- Thor nicht einmahl dachte, wie ich,bey der Fortsetzung, anmercken werde.
An eben dem 14den ward man um Mitternacht innen, daß der FeindAnstalt machte, den vordern bedeckten Weg bey dem Valencienner Thor anzugreiffen. Dieses Werck hatte man erst seit der Zeit, da die Festung berennet worden, angefangen, auch war es nicht in dem Stande einigen Wiederstand zu leisten, sondern man verließ dasselbe, auf ausdrückliche Ordre, ehees noch angegriffen ward. Doch war das Feuer aus dem bedeckten Wegedermassen groß, daß der Feind seine Verschanzung zu verlassen gezwungenward,und man sagte sich, wenigstens bis auf den 15. allda fest, da man denndafür hielt, daß es nicht behauptet werden könnte. Gleichwie ich aber vondiesem vordern bedeckten Weg, in meinen Anmerckungen über den Gebrauchdes Wassers aus der Schelde, so man zu seinem Vortheil anwenden, undsonderlich dadurch dem Angriff bey dem Valencienner Thor entgehen können,Zweyter Theil,
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