Band 
Erster Band.
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Einleitung.

diese Ideen-Neuerung zu vermehren, indem sie den Anschein vonBalken, Lchrgesperren, Tramen, Sparren traditionell vorstellte, welcheden Dachstuhl der alten Gebäude von Holz') bildeten; auf der andernSeite aber stellte sie der Geschmack, mit dem diese Nachahmungenausgeführt waren, vor jedem Vorwurf sicher: mit Wohlgefallen schienman seldst sinnreichen Verkleidungen sich hinzugeben, die überdies unterden einnehmendsten Formen dargestellt wurden.

Zu Folge dieser ersten Vervollkommnung war jedoch das Holznur am Aeußcrn ihrer Gebäude verschwunden, noch blieb es aber im-mer das einzige Hülfsmittel der Konstruktion für die Bedeckung großerRäumet, und so war die große Ausgabe der praktischen Baukunst,nemlich die der Gleichartigkeit der beim Bauwesen angewandten Ma-terialien noch aufzulösen übrig.

Dies war der Zustand dieser Kunst, so lange sie keine andernKonstruktions-Regcln kannte, als die innige Vereinigung und dasUcbcreinandersetzen der Theile, und so lange als, in vielen Fällendurch die Zerbrechlichkeit des Steins beschränkt, die Architektur, welcheihre Stoffe hätte wählen und deren Anwendung ihren Hauptabsichtcnhätte unterordnen sollen, im Gegentheil gezwungen war, ihre Combi-nationen den Erfordernissen des nach einander angewandten Materialszu unterwerfen.

Man kann daher mit Zuversicht voraussetzen, daß die Baukunstin Aegypten und Griechenland bis zu den Zeiten, wo sie unter fremdeHerrschaft kamen, beständig in der Kindheit stehen blieb.

Vielleicht zu entfernt von den Hülfsqucllcn, welche der Architekturdie Materialien dargeboten hatten, von denen die Aegvptcr und Griechenumringt waren, oder eher besser aufgeklärt über die, diesen Materialieneigenthümlichen, verschiedenen Beschaffenheiten, verdankten die Römerohne Zweifel dieser Hülflosigkeit oder der Erfahrung den Gedanken anjenen gelehrten Kunstflciß, der gleich anfangs ihre Arbeiten bezeichnet ')-

1) Vitruv , 4. Buch, 2. Kapitel, 3c oinameolis coliiuinarum.

2) Man sehe 1. Buch, 2. Abtheilung, z. Kap. und 3. Buch, 3. Ablheil.,t. Kap. dieses Werks.

3) Die römische» Konstruktionen zeichnen sich durch die beständige Anwen-dung von Bögen aus, um Pfeiler und Mauern mit einander zu verbinde», anstattder geraden Stürze (platebanües), welche die aeayplischen und griechische»Konstruktionen charakterisiern. Bitrnv im 11. Kapitel des V. Buchs sprichtdavon als von einer den Römern eigenthümlichen Konstruktion. Hier sowohl