2)8 Kenntniß der Baumaterialien; l. Abcheil. 3. Kap.
um einen mittelmäßig flüssigen Teig zu geben, wie er seyn muß, umgewöhnlichen Mörtel zu bereiten, ohne daß es nöthig ist, Wasserdaran zu schütten. Ein anderer Kalk braucht zur Bildung einesTeiges von derselben Dicke nur eine seinem eigenen Gewicht gleicheMenge Wassers. Aus mehreren Erfahrungen geht kervor, daß, zurBereitung eines guten Mörtels mit dem ersten dieser Kalkbreie, mandrei Theile Flußsand mit anderthalb Theilen Kalk mischen müsse, undbei Anwendung des zweiten Breies zwei Theile Kalk zu drei Theilenvon demselben Sande erforderlich seyen. Diese zwei Mörtel erlangen,wenn sie auf gleiche Weise durch einander gearbeitet werden, mit derZeit beinahe dieselbe Festigkeit.
Man lasse nicht außer Acht, daß bei dem ersten Mörtel dieMenge des Kalkteigcs die Hälfte von der des Sandes ist und bei demzweiten selbst zwei Drittel beträgt; da doch seit Vitruv alle die, welcheüber praktische Baukunst geschrieben, wiederholt haben, daß zur Be-reitung eines guten Mörtels ein Theil abgelöschter Kalk mit zweiTheilen Flußsand gemischt hinreiche: dabei muß man äbör eine!!bessern Kalk, als der von Melun ist, voraussehen, der jedoch für sehrgut gehalten wird. Was die Menge des lebendigen Kalks betrifft,der zur Mischung dieser beiden Mörtel gehört, so habe ich gefunden,daß bei dem ersten dieselbe nur den siebenten Theil des Sandes aus-macht, und bei dem zweiten das Drittel. Dieses letztere Mischungs-verhältniß giebt auch la Faye an. Um in allen Fällen die gehörigeMischung in Stand zu bringen, muß man eine gewisse Erfahrunghaben, um den Grad von Dicke zu beurtheilen, den der gut auf-geschlossene Kalk und der hinlänglich umgerührte Mörtel haben soll;dieser Grad bestimmt die Menge Wassers zum Ablöschen desKalks, und die nöthige Menge Sandes zur Bereitung eines gutenMörtels.
In allen Ländern, die ich bereist habe, um daselbst die Bauartkennen zu lernen, habe ich öfters die Arbeiter befragt, die mir dieVerständigsten schienen, und im Allgemeinen gefunden, daß all ihrWissen sich auf eine praktische Kenntniß beschränkte, welche Gewohn-heit und Erfahrung bis zu einer gewissen Grenze ziemlich sichermachen. Man kann in der That nicht in Abrede ziehen, daß einArbeiter, der beständig denselben Kalk verwendet, durch die Länge derZeit die gehörige Erfahrung erlange, um zu beurtheilen, ob derMörtel fett genug und hinlänglich durch einander gearbeitet sey, und