Kenntniß der Baumaterialien; von dem GvpS. 2ZY
Von dem Brennen deS GypssteineS.
DaS beste Verfahren bei dem Brennen deS GypssteineS bestehtdarin, daß man ihn anfangs nur mäßig erhitze, um die in ihm ent-haltene Feuchtigkeit auszutrocknen; hierauf verstärkt man das Feuernach und nach und giebt ihm den gehörigen Grad von Brand, wasungefähr 24 Stunden Zeit erfordert. Wenn der Gyps zu weniggebrannt ist, so ist er mager und erhärtet dann mit Wasser nichtschnell und gleichförmig genug; wird er zu viel gebrannt, so findetman beim Anmachen, daß er nicht mehr geschmeidig, d. h, nichtfett genug mehr ist: ist er aber gerade recht gebrannt, so spürt derArbeiter beim Befühlen mit der Hand, daß er zart ist und sich andie Finger anhängt. An dieser Eigenschaft kann man auch wirklichdie Güte des Gnpses recht erkennen.
Der Gyps muß, sobald er gebrannt ist, pulvcrisirt werden (da-mit sich bei dem Verbrauche das Wasser recht genau mit ihm verei-.nigen kann), dieses geschieht entweder durch Stampfen oder Mahlenmit Mühlsteinen oder steinernen Walzen; wenn er nur auf kurze Zeitder Luft ausgesetzt bleibt, so verliert er von seiner Güte: wird ervon der Sonne erhitzt, so bringt sie ihn in Gährung, die Feuchtigkeitnimmt ihm seine bindende Kraft und die Luft entzieht ihm den größtenTheil seiner salzigen Theile, was alsdann den Verlust seiner Fettig-keit und der Eigenschaft, schnell zu erhärten und eine feste Masse zubilden, nach sich zieht. Solcher Gyps ist nur ein schwaches Vcrbin-dungsmittel, und der daraus gefertigte Anwurf und Abputz reißt auf.
Kann man den Gyps nicht sogleich, nachdem er gebrannt undzermalmt ist, verarbeiten, was in Gegenden, wo er selten und woman genöthigt ist, ihn weit herkommen zu lassen, der Fall ist, somuß man ihn ungebrannt, oder in fest zugemachten Fässern beziehenund an immer trockenen Orten aufbewahren, die den Sonnenstrahlennicht ausgesetzt sind.
Hat man feinere Arbeiten zu machen, so sucht man die bestge-brannten Steine aus, und läßt sie besonders zerdrücken, ehe die Gyps-brenner sie unter einander gemischt haben.
Zum Anmachen des Pariser Gypses braucht man (dem Raumin-halte nach gemessen) beinahe eben so viel Wasser, als Gyps. Zuerstwird Wasser in den GyPskasten (Tafel) gethan, hernach so vielGypS dazugestreut, bis er beinahe die Oberfläche des Wassers erreicht; und