Kenntniß der Baumaterialien; von dem Holz. 259
Die Zeit, welche Vitruv zum Fällen des Holzes bezeichnet, giltnoch jetzt für die passendste, nemlich vom Monat Oktober bis zumMonat Februar. Auch ist es jetzt noch anerkannt, daß die Vorsicht,die Bäume von unten einzukerben, um den in ihnen enthaltenenSaft ausfließen zu lassen, deswegen nothwendig sey, um zu vermei-den, daß ihr Holz bei zu baldiger Verarbeitung durch die Gährungdieses Saftes nicht verderbe.
Um die Nothwendigkeit dieses Verfahrens desto augenscheinlicherzu machen, werden wir in möglichster Kürze den organischen Baudes Holzes nach den Beobachtungen der gelehrtesten Naturforscher,z. B. Grew, Malpighi , Halles, Duhamel und Buffonerklären.
Ein Same von irgend einem Baum, den man im Frühjahr indie Erde steckt, z. B. eine Eichel treibt nach Verlauf einiger Wocheneinen kleinen, zarten, krautarligen Sprößling, der sich ausbreitet,
große Stücke scheinen von rannen Holz zu seyn, das Vitruv mit dem NamenUntermeertannen bezeichnet. Die Tanne ist übrigens noch jeyr das beimBauwesen am häufigsten angewandte Holz. Die Zimmerwerke vieler alter Gebäudevon Frankreich, Italien, Spanien, England und Deutschland beweisen, daßdieses Holz sich eben so lange erhalte, als das eichen Holz, in welchem Clima «S sich auch befinde.
Duhamel redet von einem Pfahlrost aus tannen Holz, der in den Funda-menten einer ehemaligen Kirche gefunden wurde, welche vor Alter verfallenund seit 80 Jahren zerstört war. Dieser mehrere Jahrhunderte alte Pfahlrostwar nur äußerlich etwas angegriffen, die Mitte war vollkommen gesund, undhatte noch die Farbe und den Geruch des Harzes.
Uebrigens ist in dem ganzen Inhalt dieses Kapitels heutiges Tags nurda- Wissenswerth, was das Resultat der Erfahrung zu seyn scheint, ;. B. das,was Vitruv wegen der Zeit und der Art des Füllens der Bäume sagt, umdadurch eine längere Dauer des Holzes zu bezwecken, »nd was er von einigenEigenschaften der zu seiner Zeit gebräuchlichen Holzarten anführt.
Hinsichtlich der Beweisgründe über das Wesentlichste des organischenBaues und der Eigenschaften dieser verschiedenen Bäume stützt sich Vitruv aufdieMeinungen der angesehenste» Philosophen seiner Zeit, wie aufPythagoras,Empedvcle«, Epicharmes und andere, welche lehrten, daß alle Erzeugnisse derNatur durch die Combination von vier Urstoffen oder Elementen gebildetseyen, nemlich: Luft, Feuer, Wasser und Erde, und daß ihre Verschieden-heiten, Beschaffenheiten und Eigenschaften von den Mischungsverhältnissen ab-hinge», nach welche» diese Urstoffe vertheilt waren.
Ainnerk. t. Vers.
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