Von den horizontalen Ueberdeckungen mit Steinschnitt. 133
daS Eisen, welches man dabei verwendet, sie nicht mit einer jenenAnstrengungen überlegenen Kraft zusammenhielte. Man kann sichhiervon überzeugen, wenn man, wie ich es gethan habe, ein Modellvon polirtem Marmor machen läßt.
Um den Fehler der eben besprochenen Einrichtung gut einzusehen,muß man aus dem Mittelpunkte, in dem die verlängerten Fugen derSchlußsteine (Olsrenui) zusammentreffen, einen, die untere Liniedes flachen Gewölbes berührenden Kreisbogen beschreiben und die Fu-gen bis an denselben verlängern, Fig. 11. Hierdurch wird leicht er-sichtlich, daß ein flaches Gewölbe als ein Bogensegmenr betrachtetwerden kann, an welchem die unteren Theile kKH weggelassen sindund daß diese Weglassung so wesentlicher Theile nur eine sehr schwacheund mangelhafte Eonstruction hervorbringen kann.
Will man flache Gewölbe zu Architraven, horizontalen Deckenoder Stürzen großer Thüren einrichten, so ist es zur Vermeidung die-ses Fehlers nothwendig, die Schnitte der Schlußsteine nur bis an denin die horizontale Decke eingeschriebenen Bogen sV, ll, b' zu führen,wie Fig- 13 zeigt, und die Fugen von hier an vertikal zu machen.Man ersetzt diese weggelassenen Theile der eigentlichen Schnitte, indemman den Rücken des Gewölbes durch einen mit dem eingeschriebenenBogen concentrischen Bogen bildet').
Mehrere geschickte Architekten haben ein ähnliches Mittel zu einerArt von Dekoration angewendet. Vignole hat in dieser Art die Zeich-nung einer Thüre mit bäurischem Werk (porte ru8ti<i»e) gegeben,welche die Schönheit mit der Solidität vereinigt; indessen kann imAllgemeinen diese Einrichtung nur bei Thüren oder hohlen Räumenin Mauern angewendet werden.
1 ) Indem man anf diese Weise die Schlußsteine von der Seire »ach derMitte vergrößert, erhalten sie mehr Solidität. Ich habe dieses Mittel zuTrapani in Sicilien angewendet gesehen, wo beinahe alle große eckige Thü-ren und die Oeffnungcn der Bontiken so eingerichtet sind, wie es die Seiteä Fig. 14 zeigt. Die Seite r, stellt die nämliche Vergrößerung vor, nurwird jeder Stein, statt einer geneigten Linie zu folgen, durch eine horizon-tale Fläche begrenzt. Dieß Mittel verschafft dem Mauerwcrk, womit diehorizontale Uebcrdeckung beladen seyn kann, den Vortheil einer besseren Un-terlage. Man sieht diese Form an einer Thür in der Grundmauer des Thea-ters des Marccllns.