Band 
Dritter Band.
Seite
180
JPEG-Download
 

Zimmcrarbeit; 3. Abth. 2. Kap.

IM

der Qualität der Materialien und der Art, sie zu verarbeiten, wo-durch der fragliche Zustand modisieirl und zuweilen selbst geändertwerden kann, abstrahiern, — die daraus gezogenen Resultate öftersweiter von der Wahrheit entfernt sind, als die praktischen Mittel bloßerEmpiriker.

Bei dem aufmerksamsten Studium alles dessen, was Pitot, Cou-plet, Frezier und Lorgna von Verona über diesen Gegenstand geschrie-ben haben/ habe ich als Resultat ihrer Theorie gefunden, daß allHölzer eines Bogengerüstes so combinirt werden müssen, um auf diemöglichst vortheilhafte Weise dem Bestreben der Gewölbcsteine, aufihren Fugen fortzugleitcn, entgegen zu wirken.

Da die Oberfläche der Steine nicht glatt genug ist, als daß dieSteine, sobald die Grundfläche, worauf man sie setzt, aufhört, hori-zontal zu seyn, sogleich darauf fortgleiten könnten, so hat man Ver-suche angestellt, bis zu welcher Neigung diese Steine sich zu erhaltenvermögen, und gesunden, daß die harten Steine, welche leichter fort-glciten, erst bei einer Neigung von ungefähr 80 Grad zu gleiten an-fangen. Die nämlichen Versuche, mit in frischen Mörtel gesetztenSteinen angestellt, haben für harte Steine 34 bis 36 Grad, und fürweiche Steine, welche, durch die Absorbtion der Feuchtigkeit des Mör-tels, diesen sogleich erhärten lassen, bis zn 45 Grad ergeben, wennder Schwerpunkt der Steine nicht außerhalb ihrer Grundfläche fällt.Nimmt man also 36 Grad als den Punkt an, wo die Gewöelbcstcinezu gleiten anfangen, so ist man sicher, zuverlässigere Resultate zubekommen, als diejenigen, welche die Erfahrung liefern würde; worauszu folgen scheint, daß man das Bogengerüst erst in dieser Höhe an-fangen lassen sollte. Bei verschiedenen Construktioncn antiker Brücken,wie z. B. am Pont du Gard, an der Brücke Cestius zu Rom , er-blickt man noch die vorspringenden Steine, auf welchen die Basis desBogengerüstes stand; sie befinden sich 25 bis 28 Grad über dem An-fange des Bogens. Es ist jedoch bei den Bogengerüsten zu Gewölbenvon einem großen Durchmesser, deren Spannbalken in einer gewissenEntfernung unterstützt werden muß, besser, das Bogengerüst sogleichüber den Widerlagern anfangen zu lassen, um ein Mittel zu haben,den Spannbalken von unten zu verstärken, wie in den Figuren 3, 4,5, 6 der Tafel 6XXVII.

Die Belastung des Bogengerüstes, welche erst über dem 30stenGrad anfängt, nimmt allmächtig bis zu den Steinen am Schlüsse des