Band 
Dritter Band.
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Drittes Kapitel.

Von den Stroh- und Nohrdachern.

Von den Strohdächern.

<9n vielen Gegenden macht man bei ländlichen Gebäuden von diesenDächern Gebrauch. Man verwendet dazu Roggen- oder Weizenftroh.Nachdem das Zimmerwerk dieser Dachart, d. h. die Binder, Fettenund Firstbalken, aufgeschlagen worden, bindet man, statt der Sparren,Stangen mit Weidengerten und sodann kleine Stangen in der Querean, auf welchen der Strohdecker das Stroh mit Strohseilen befestigt.Je mehr diese Strohseile zusammengezogen werden, desto 'solider wirddas Dach.

Mit dieser Bedeckung fängt man, wie mit allen anderen, untenan. Da die Strohhalme dem Setzen unterworfen sind, so arbeitetman dabei nicht in Einem fort, sondern unterbricht die Arbeit einen'oder zwei Tage, ehe sie vollendet wird. Nach Verlauf dieser Zwischen-zeit untersucht sie der Strohdecker und, wenn es nöthig ist, zieht erneue Halme an den Stellen ein, welche nicht genug mit Stroh ver-sehen sind. Er bedient sich dazu eines Instruments, welches Deck-brett (psiette) genannt wird, es ist ein ovales Holzstück mit kurzemStiel. Zuletzt reinigt er das Stroh mit einem hölzernen Rechen mitsehr engen Zähnen und dann ist das Strohdach fertig.'

Von den Rohrdächern.

Hierzu gebraucht man Schilfrohr, welches in Sümpfen wächst,und beinahe eben so wie das Stroh bei den Strohdächern behandeltwird. Doch dürfen die kleinen Stangen, welche die Stelle der Lattenvertreten, nicht so weit aus einander liegen, sondern ungefähr nur3 Zoll, auch muß das Rohr an mehreren Stellen gebunden werden,weil es leicht herunter schießt. Diese Bedachungsart erfordert mehrGeschicklichkeit als das Strohdach und ist theurer, allein wenn sie gutgemacht wird, kann sie wenigstens 40 Jahre dauern, ohne daß irgendeine Reparatur daran vorzunehmen nöthig wäre.

Ende des dritten Bandes.