35
Der Hauptfehler, wenigstens an dem Eisen, welches zur Erzeugung unserer Läufeverwendet wird, ist nicht der, daß selbes kaltbrüchig, rothbrüchig oder kupfcrschüßig,sondern daß es noch-in einem fast rohen Zustande, das heißt: noch nicht ganz von denchemisch verbundenen fremden Bestandtheilen befreyet ist; und daß nebst diesen noch eineMenge Kohlen und Erdtheile, nur mechanisch gemischt, in demselben vorhanden sind.
Dieser Zustand des Eisens, wodurch die Sprödigkeit und Härte desselben entstehet,ist wie schon früher bemerkt wurde, die Folge einer mißverstandenen Oekonomic hinsichtlichder Kohlen, sowohl in dem Hochofen als auch in dem Zerrennfeucr. Was jedoch die nochvorhandenen Kohlen und Erdtheile in der Masse des Eisens anbelangt, ist dieses einFehler, der auch in dem best reducirten Eisen vorkommt, und von welchem aber nochNiemand gesprochen hat, obschon er gerade derjenige ist, der bey der Erzeugung derLäufe den größten Schaden verursachet.
Dieser Fehler hat, wie schon gezeigt, seine Quelle in der Art, wie der Klumpeunter dem Zerrennhammcr zerschroten wird; anstatt daß man die Kohlen und Erdthcile,welche ringsum an den Klumpen fest liegen, mit Sorgfalt wegzuschaffen trachten sollte, istman, so. zu sagen, vielmehr bedacht, unter den Streckhammerschlägen diese fremden, undselbst wie die Kohlen, unschmelzbaren Körper in den Klumpen hinein zu treiben, wodurchnothwendiger Weise eine unreine und selbst unganze Masse entstehen muß. Die Gegenwartder Kohlen und der Erdtheile in dem Inneren des Eisens verursacht Aschersieckc, Schiefernund Häute, die in den Büchsenbränden so häufig vorkommen, und dem besten weichstenund zähestcn Eisen das Gefüge eines blätterichten Butterteiges geben. (Siehe §. 7.)
Nebst den Ascherflecken, Schiefern und Häuten haben die Läufe auch den Fehler,daß sie nicht allein beym Beschießen, sondern auch bey der kleinsten Prellung sehr leichtspringen, oder schädliche Querbrüche bekommen, welches dann das spätere Zerspringendes Laufes, selbst in der Hand des Mannes zur Folge haben kann.
Dieses Gebrechen liegt fast immer in dem rohen Zustande des Eisens, welcheseben so krystallisirt und grobkörnig erscheint, als das Roheisen selbst, mit welchem esauch mehr Aehnlichkeit, als mit dem zu Schmiedeiscn reducirten Eisen hat. Eigentlichwäre dieser Fehler bey den Hochöfen und Zerrennfeuern abzustellen. Da jedoch die Artil-lerie keine eigenthümlichen Hochöfen und Zerrennfeuer hat, so bleibt kein anderes Mittelübrig, als das Eisen in Stangen, höchstens in Flammeln von den Hammergewerken zubeziehen, und solches in unserem Feuerheerde ein und selbst auch zweymahl zu gärben, umein reines Eisen zu erhalten.
Uebrigens ist das Gärben auch deßwegen nothwendig, um das Eisen fibröser, dasist: zäher zu machen, welche Eigenschaft dasselbe nur durch ein anhaltendes Streckenerhält; wobey nicht zu vergessen ist, daß das Eisen mehr Nerve bekommt, je mehr esin einer niederen Temperatur gestrecket wird. (Siehe §. 7.)
Nun bleiben noch die Langrisse, besonders in den Gewinden der Läufe. Um diese zubeseitigen, habe ich bis jetzt noch kein besseres Mittel gefunden, als am Pulversack desLaufes einen Ring vom gegärbten Eisen, Zoll in der Breite, anschweißen zu lassen,
5 *