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Von dem Ausziehen oder Auskolben.
In einigen deutschen Gewehr-Fabriken hat man den Gebrauch , die schon gebohrtenRöhre der Länge nach auszuziehen, statt auszuläuten:; dieses geschieht mit einem run-den, so wie eine Feile schräg gehauten oder gefeilten gehärteten Stahlkolben. Eigentlichist der Kolben auf eine Länge von 8 Zoll, in zwey fcderartige Theile oder Zungen ge-spalten , und auf die halbrunden Zungen selbst sind die Reibeisen 2 bis 3 Zoll lang cin-geschoben. Man ziehet diesen Kolben in dem Laufe mehrmahls und nach allen Richtungenhin und her, bis der Calibcr vollkommen ausgezogen ist.
Diese Manipulation wird eben so aus freyer Hand als mittelst Maschinen betrieben;und der ganze Mechanismus bestehet in einem Wagen oder Schlitten, welcher den Kolbenin den Lauf führt, und mittelst einer gezähnten Stange und eines Getriebes in eine hori-zontale Bewegung gesetzt wird. Das Getriebe selbst, welches hin und wieder, d. i., baldrechts bald links sich drehen muß, damit der Kolben einmahl hinein in den Lauf und ein-mahl heraus gezogen wird, macht nicht einmahl die Hälfte von dem ganzen Umkreise aus,und wird mittelst einer Kurbel, welche auch an dem Wellbaume eines Wasserrades ange-bracht werden kann, in Bewegung gesetzt?
Der Lauf wird in zwey Satteln fest eingespannt, und nach einigen Stößen mit demKolben wird selber immer etwas gedreht, damit das Ausziehen gleichförmig geschehe.
Man kann hierzu ebenfalls verschiedene Vorrichtungen treffen, z. B. daß nach jedemStoße der Schlitten oder der Kolben selbst den Lauf um einige Grade umdrehe, wodurchdie genaueste Gleichförmigkeit erhalten werden muß. Für diesen Zweck wäre nur noth-wendig, den Lauf in zwey eisernen Ringen zu befestigen, und diese Ringe selbst in zweySatteln rollen zu lassen, dann an dem vorderen Ringe ein eisernes Rad anzubringen,welches mittelst einiger an dem Schlitten angebrachter Hebel sich um einige Zähne zudrehen hätte.
So vollkommen jedoch die Vorrichtung auch immer seyn kann, so zweifle ich dochsehr, daß durch das Ausziehen der Lauf eben so rein und gleichförmig ausfallen kann,wie durch das gewöhnliche Ausläutern und Ausschmirgeln. Gewiß ist es, daß die ausge-zogenen Läufe, wie solche hier geliefert werden, immer eine Menge lange und selbst be-deutend tiefe Risse zeigen, welche nicht allein das Ansehen der Bohrung verunstalten, son-dern auch als schädlich zu betrachten sind, weil, wie meine Theorie bemerkt, solcheRöhre sehr leicht rosten müssen; und wirklich wird dieses auch durch die Erfahrung nurzu sehr bestätiget.
Höchstens könnte man die schon geläuterten Läufe mit Bley und Schmirgel auskol-ben; dieß ist jedoch in der ärarischen Gewehr-Fabrik ganz überflüssig, weil selbe in derBohrung sowohl als in allen übrigen Theilen gar nicht besser seyn können.
§. 3. Von dem Schleifen der Röhre.
Das Schleifen der Röhre geschieht auf Sandsteinen, entweder im trockenen odernassen Zustande. Das Naßschleifen, obschon die Wirkung viel geringer ist, wird jedoch