schon der Mitte und der Mündung; und es ist genug, wenn beym Schleifen die Eisen-stärken nur um einen Punct stärker, als jene der ausgemachten Röhre sind, gelassen werden.
5. Wenn die Lehren sich an die gehörigen Stellen genau anschieben lassen, und das Rohrdas gehörige Gewicht hat, so ist es im Schleifen fertig. Es wird dann nur noch et-was der Länge nach abgeschliffen, welches der Schleifer Ablängen nennet; dieses ge-schieht, um den Verlornen Zug an der Oberfläche des Laufes wieder herzustellen.
6. Es muß durchaus nicht erlaubt werden, daß der Schleifer selbst die Röhre richtet,wenn sich auch solche beym Schleifen etwas krumm gezogen hätten, damit nkcht unterdem Vorwande des Geradrichtcns, die Röhre ungleich im Eisen ausfallen; denn dasGeradrichten hat derRohr-Visitierer ganz allein zu besorgen. Diese Vorschrift ist höchstnothwendig; und weil solche in den meisten Manufacturen nicht bestehet, und selbstauch das Geradrichten des Laufes vor dem Schleifen nicht vorgeschrieben ist, so sindauch fast alle Läufe sehr ungleich im Eisen.
§. 4. Vom Abdrehen der Läufe.
So groß die Geschicklichkeit der Schleifer, und so gut die Aufsicht bey selben seynkann; so ist es doch fast unmöglich, Röhre so zu schleifen, daß sie vollkommen rund, und nachder ganzen Länge im Eisen gleich werden. Diese Gleichförmigkeit in der Eisenstärke sollte je-doch das Hauptbedingniß bey jedem Laufe seyn, weil, sobald die Achse der Bohrung nichtauch die des Laufes ist, derselbe ganz natürlich von Außen krumm ausfallen muß, wenner inwendig gerade ist, und im Gegentheile inwendig krumm seyn wird, wenn er vonAußen gerade gerichtet wurde.
Ist der Lauf inwendig krumm, dann muß der Schuß unrichtig ausfallen, und auchderRückstoß stärker werden, wie solches mehrere Versuche bewiesen haben. Ueberdieß, wenndie Eisenstärken auf der Visicrlinie nicht immer dieselben sind, dann ist beym Schießenkeine bestimmte Regel mehr für das Gewehr möglich, um das Ziel in den angegebenenEntfernungen treffen zu können; und endlich kann ein Lauf, welcher ungleich im Eisen ist,auf der schwachen Seite noch leichter zerspringen, als wenn er durchaus gleichförmig zuschwach wäre. Ich sage: kann zerspringen, und nicht: wird zerspringen,je nachdem die Vibrationen oder die Wellen des vibrirenden Eisens auf der schwächerenSeite mit jenen auf der stärkeren Seite zusammen treffen werden oder nicht. Ist eine. Ue-bereinstimmung der Knoten möglich, d. h. ist der Ton der schwächern Seite im Einklangmit jenem der stärkeren, dann wird der Lauf, obschon er ungleich im Eisen ist, aushal-ten; ist das aber nicht der Fall, dann wird der Lauf gewiß zerspringen.
Die Nothwendigkeit, gleiche Eisenstärken zu erhalten, wird auch überall anerkannt, undeben so, daß es hierzu kein besseres Mittel gibt, als die Läufe abdrehen zu lassen. Und
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