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Erster Band.
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Asymptotische Gewehrlauf-Abdrehmaschine.

Die Bcdingnisse, welche mit einer vollkommenen Lauf-Abdrehmaschinc erfüllt werdenmüssen, um den Lauf, ohne eine andere Beyhülfe, als die Wirkung der Maschine selbst,abdrehen zu können, sind dreyerlcy; nähmlich: das horizontale Umdrehen des Rohres;die gerade fortgehende Bewegung der Abdreheisen in der horizontalen Ebene der Achse desRohres; und endlich das Abweichen oder Auseinandergehen der Abdreheisen selbst nachder angegebenen asymptotischen Linie, und zwar in dem Verhältnisse, als die AbdreheisenTab. ytn Lauf von der Mündung gegen den Pulversack überfahren.

Die Verbindung der zwey ersten Bewegungen ist nicht neu, sondern fast an allenAbdrehmaschinen anzutreffen; einige Räder, eine Schraube ohne Ende, um den abzudrehen-den Körper in Umlauf zu setzen, dann eine Spindel von gleicher Länge mit der Abdreh-bank, welche, nachdem sie sich in einer unter dem Wagen der Abdreheisen befestigten Mut-ier dreht, den Wagen und folglich auch die Abdreheisen in gerader Linie fortzieht, sindhinreichend, diese beyden Bewegungen hervorzubringen.

Ganz anders aber verhält es sich, wenn, wie bey der Gewehrlauf-Abdrehmaschine,noch eine dritte Bewegung zu gleicher Zeit Statt finden muß, wo die Abdreheisen in der-selben Zeit, als der Wagen durch die Spindel längs dem Laufe vor- oder rückwärts getrie-ben wird, auseinander oder zusammen gehen müssen.

In der Auflösung dieser Aufgabe besteht eigentlich die Erfindung einer Gewehrlauf-Abdrehmaschine, ohne welche es absolut unmöglich ist, einen Gewehrlauf, in Hinsichtauf seine verschiedenen Eisenstärken, ganz vollkommen gut und richtig herzustellen.

Ich habe diese schwierige Aufgabe gclöset, und zwar durch ein Mittel, welches ganzneu ist.

Und weil, um Jemanden eine vollkommene Erkenntniß von einer Erfindung zu ver-schaffen, es kein besseres Mittel gibt, als ihn mit der Geschichte dieser Erfindung selbstbekannt zu machen; so will ich meine Gedanken, welche mich zur Lösung dieser Aufgabegeführt haben, in Folgendem mittheilen.

Wenn, dacht' ich, die Abdreheisen, wie es bey einer jeden Drehbank der Fall ist, im-mer in einer und derselben Entfernung von der Achse des abzudrehenden Körpers verbleiben,so ist es eben so viel, als wenn die Bewegung gleichförmig wäre, weil in der Zeit, dadie Abdreheisen in paralleler Richtung mit der Achse des Körpers vor- oder rückwärts sichbewegen, die Geschwindigkeit, d. i. die Entfernung der Abdreheisen von der Achse, im-mer dieselbe bleibt, mithin muß das Product, wie bey jeder gleichförmigen Bewegung,ein rechtwinkelichtes Viereck seyn, und weil der Körper sich dreht, ein Cylinder hervorge-bracht werden.

Setzen wir nun, daß die Geschwindigkeit, oder die Entfernung der Abdreheisen vonder Achse des abzudrehenden Körpers nicht dieselbe verbleibt, sondern im Verhältniß derZeit, als die Abdrehciseg längs dem Laufe fortschreiten, stets eine gleichförmige Vcrmch-