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3 (1858) Die Erdbeben im Wallis / G. H. Otto Volger
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starrungskruste der Erde durch einen hebenden Stoss von derUnterlage her in Bewegungen gesetzt, und beständen die Fort-pflanzungen der Erschütterung in Wellenbewegungen, welche dieErstarrungskruste in ihrer ganzen Dicke auf der flüssigen Unter-lage fluktuirend erlitte, so ist es einleuchtend, dass die Schwan-kungen in den höheren Theilen derErdrinde stärker aus-fallen müssten, als in den tieferen, und dass wie ein Thurm,unter dessen Fusse eine Wellenbewegung des Bodens hindurch-läuft, mit seiner Spitze in weitem Bogen schwankend hin undher fährt, während die Abweichung seines unteren Theiles vomLothe nicht einmal deutlich wahrnehmbar ist ebenso diehohen Berggipfel furchtbar hin und her geworfen werdenmüssten, während die tiefen Thalgründe nur schwach bewegtwürden. Ein derartiger Gegensatz ist aber nie beobachtetworden, wohl dagegen gerade der umgekehrte: eine ver-heerende Erschütterung der Thalgründe bei geringer Bewe-gung der höheren Gebirgstheile, ja bei allem Anscheine nachvöllig ungestörter Ruhe derselben. Gerade das Walliser Erd-beben vom 25. Juli 1855, dessen Einzelnheiten wir mit somikrologisclier Sorgfalt festzustellen gesucht haben, liefertvon einem solchen, übrigens in erdbebenreichen Gegenden, derSchweiz nicht minder wie Süd-Amerikas, selbst in die Volks-meinung Ubergegangenen Verhältnisse die merkwürdigsten Be-lege. Auch die Ungleichheiten der Stärke der Bewegung anverschiedenen Orten in den Thälern oder niederen Gegendenüberhaupt, abgesehen von erheblichen Höhen-Unterschieden,liefern einen nicht weniger kräftigen Gegenbeweis; denn dieUnterschiede der Gesteinsarten, auf welchen diese Orte lie-gen, oder der Schichtenstellung, welche zunächst unter ihremGrunde stattfindet, könnten gar nicht in Betrachtung kommen,wenn sich die auf flüssiger Unterlage schwimmende Erdrindeals Gesammtkörper in Bewegung versetzt fände. Diese wich-tigen Verhältnisse hat man nie gebührend in Erwägung gezo-gen, obgleich kein Lehrbuch verfehlt, auf Humboldts Be-glaubigung, von den sogenanntenBrücken, den ruhendenLandstrichen, zu erzählen, welche wenig oder gar nicht er-schüttert werden, während Erdbeben unter ihnen hindurch inungebrochener Kraft sich fortpflanzen.

Aus obigen Andeutungen ergiebt sich, dass die Erschei-