Buch 
3 (1858) Die Erdbeben im Wallis / G. H. Otto Volger
Entstehung
Seite
472
JPEG-Download
 

472

[(leschwindigkeit

massige Geschwindigkeit des Fortsehreitens einer und dersel-ben Welle bedingt. Indessen ist die spezielle Anwendung die-ser Betrachtung auf einen Theil des Erdbodens wegen der sounendlich mannigfaltig wechselnden Verhältnisse nicht wohlmöglich. Ich bin sogar nicht abgeneigt, zu glauben, dass inFolge der unendlichen Mannigfaltigkeit der Verhältnisse kcinseinzeln seinen Einfluss zu entwickeln vermöge, sondern einmittleres Gesainmtverhalten eintrete, von welchem nur geringeAbweichungen an einzelnen Orten zu Stande kommen, unddass somit der Gang des Fortschreitens der Wellen immernahezu isochron bleibe. Es müssten sonst die Erschütterungennothwendig viel verwirrter ansfallen, als es wirklich der Fallist. Durch die einen Schichten müssten die Wellen etwa inder Hälfte der Zeit, im Vergleich zu andern, fortschreiten undsomit könnte eine Welle an ferneren Orten leicht in mehre-ren, nicht etwa ganz rasch einander folgenden, sondern umviele Minuten aus einander liegenden Pausen eintreffen — wo-für keine beobachtete Thatsache spricht.

Die Wellen, welche in den Oberflächenschichten zwischenzwei Bergketten hineintreten und ein Thal durchlaufen, müs-sen nothwendig in Folge der erlittenen Einengung rascherfortschreiten, als zuvor, und langsamer, wenn der entgegen-gesetzte Gang vorkommt"). Ebenso müssen die grossen Wel-len, welche in der Tiefe mit ungestörterer Regelmässigkeitfortschreiten, rascher verlaufen, als die kleinen, untergeordne-ten Wellen, welche in Folge der zahlreichen störenden Ein-flüsse an der Oberfläche gebildet werden '). Spezielle NachWeisungen beobachteter Fälle lassen sich jedoch auch für dieseVerhältnisse nicht liefern.

So wenig, als die Geschwindigkeit des Fortschrittes derErdbebenwellen, lässt sich auch die Zeitdauer ihres Vorüber-ganges bis jetzt feststellen. Die Angaben, welche in dieserBeziehung gemacht werden, sind sehr abweichend und wenigVertrauen einflössend. Im Ganzen gehen wenige Angabenüber eine Minute, während zahlreichere sich in ihren Schätzun-gen an wenige Sekunden, die meisten unter zehn Sekunden

»“) Wellenlehre, §. 133 143.

*) Ebendaselbst, §. 35.