Barometer.]
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Nachdem meine obigen Untersuchungen die Periodizi-tät der Erdbeben auf die der Barometer Oszillation enzurückgeführt haben, kann kein Zweifel mehr bleiben, dass dieVeränderungen des Luftdruckes zum Eintritte der Erdbebendie häufigste Veranlassung geben. Natürlich könnensie nur da Erdbeben erregen, wo solche vorbereitet sind.Merian 25 ) ist nicht abgeneigt, die habituellen Erdbeben-heimathen, wie Basel , Eglisau , Glarus u. s. w., fürsolche Punkte zu halten, „wo die Erdkruste störenden Ein-flüssen leichter nachgiebt, als anderswo”. Sucht man aberdiese Eigenschaft in der Dünnheit der „Erstarrungskruste”über dem „unterirdischen Feuertneere”, so ist nicht abzusehen,wie man es erklären möchte, dass nicht bei jeder bedeuten-deren Luftdrucksveränderung die Fluthwelle des Pyriphlegethonden Boden dieser Gegenden schüttelt. Der grösste Tiefstandseit 15 Jahren, welcher am 22. März 1855 zu Genf beobach-tet wurde (III, 30), führte keinen Erdstoss herbei. Nimmtman dagegen Unterwaschungen und Einsenkungen an, so trittdieser Einwurf nicht auf. Sowohl ein Zunehmen, alsauch ein Abnehmen des Luftdruckes kann Bewegungendes Erdbodens veranlassen; es handelt sich nur um eine ge-nügende Störung des Gleichgewichtes. Wie durchdas Ablassen eines See’s in Folge der Verminderung desWasserdruckes die Ufer zu wanken beginnen und Einstürzuu-gen erfolgen (Zuger-See , Lungereu- See in Unterwal-den), so führt auch eine Verminderung des Luftdruckes zuBewegungen. Die Hinwegnahme oder Hinzufügung einer Last,welche einer Schicht von einer Linie oder mehreren LinienQuecksilbers entspricht, die über ganze Landschaften ausge-breitet wäre, ist auch wahrlich keine geringfügige Verän-derung des Gleichgewichtes. Diese Vermehrung oder Ver-minderung des Luftdruckes braucht durchaus nicht über demStossgebiete selber einzutreten, sondern sie kann aus wei-ter Ferne wirken. Trägt sich doch jeder Th eil des Erd-bodens gegen alle anderen Theile im. Gleichgewichte! Da-her wird es oft sehr schwierig sein, für den einzelnen Fall
25 ) Leonliard und Bronn: Neues Jahrbuch für Mineralogie u. s. w.
1839. S. 588.