Buch 
Johann Heinrich Gottlobs von Justi ... Anweisung zu einer guten deutschen Schreibart und allen in den Geschäfften und Rechtssachen vorfallenden schriftlichen Ausarbeitungen ...
Entstehung
JPEG-Download
 

von denen Sätzen und Perioden. 57

solches vielmehr ganz und gar unterlassen, und sich mit einemeinzigen zur Sache gehörigen Begriffe begnügen, z. E staktdessen, daß sie sagen: Die Arankheit harte seine Le-bensgeister ganz abgemarket, entkräftet und aus--gezchrcc; so ist es viel besser und nachdrücklicher zu sagen:Die Rrankheic harre seine Lebensgeister ganz aus,gezehrer.

§. 9 -

Jedoch die Sprache der Leidenschaften überschreitet öftersdiese natürliche Ordnung, vermöge welcher die schwächstenBegriffe zuerst gesetzet werden: und in der Heftigkeit ihrerBewegungen drücken sie gemeiniglich den stärksten und hef-tigsten Begriff zuerst aus. Z.E. Jauchzet! frohlocket,seyd frölich und vergnügt über das Glück, das unsder Herr geschenkec hat. Daß sie ausgerottet wür-den! daß sie verdürben! daß sie zu Gporr undSchanden gemacht würden! die den Hainen desgroßen Gottes verachten. Ueberhaupt kann man sa-gen , daß die Sprache der Leidenschaften eine ganz andreWortverbindung hat, als die sich selbst gelassenen Ausdrücke.Die fragende und ausrufende Verbindungsark ist nämlich de-nen Affekten besonders eigen, und nach denenselben werden diePrädicate oder Hinterglieder fast allemal zuerst gesetzet, wiein Ansehung derAusrufungen aus denen vorhergehenden Bey-spielen erhellet. Von der fragenden Verbindungsart aber kannfolgendes zum Exempel dienen: Sollten wir leben ? Soll-ten wir die Güter des höchsten Wesens genießen?Sollten wir alle Tage mehr wohlthaten fordern,ohne demselben für seine unendliche Güte Dank zusagen? Diese besondre Verbindungsark der Leidenschaftengiebt zwar denen Worten einen besondern Nachdruck. Alleinman muß sie mit Einsicht und der Natur gemäß gebrauchen.Wie oft klingen nicht die Fragen und Ausrufungen in denenBüchern und Schriften sehr ekelhaft? so, daß man sich öf-ters, mit jenem Freunde des Swifts, ein Gesetz zu machen nö«

D 5 thig