92 Erster Theil, drittes Hauptstück,
wenn man zuvörderst alle Umstände, die zu seiner Beruhi-gung und Fassung etwas beytragen können, voran gehenlaßt. Diese Abweichung von der natürlichen Ordnung hatin vielen andern Fällen statt: denn es dienet öfters zur Errei-chung unsers Endzwecks ungemein, wenn man gewisse Um-stände an ihrem rechten Ort einführet. Ueberhaupt, da dieOrdnung der Gedanken größtentheils willkührlich ist; sokommt das meiste auf einen durch die Vernunstlehre und Le-sung guter Schriftsteller geläuterten Verstand an. Dieserwird denen Gedanken allemal solche Stellen zu geben wissen,wie es dem Endzwecke der Rede am besten gemäß ist.
Zweyter Abschnitt.
Von denen Figuren.
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wir reden und schreiben, um die Gemüther andrer^ Menschen zum Vortheil der Wahrheit zu gewin-nen; so muß man denen Gedanken alle möglicheund ihrem Endzwecke gemäße Schönheiten zu geben su-chen. In denen Figuren aber, besonders die man Figu-ren in ganzen Sätzen nennet, bestehet eine besondreSchönheit der Gedanken. Die Griechen nannten dieselbenLcbomara, welches so viel als eine gute Stellung oderGeherde in der Rede anzeigen sollte: Die Lateiner abergaben ihnen den Namen kiAurae; wiewohl sie Cicero öftersOrnaments nennet, auch der griechische Name beständigdaneben und öfters am meisten gebraucht worden ist.Man theilet sie in Figuren , so'in Worten, und in diejeni-gen, so in ganzen Sätzen bestehen, oder in Wort-und Ge-dankenfiguren. Die Wortfiguren begreifen gar viele in sich,die wenig oder gar nichts nützen. Wir wollen also, da ichohnedem von denen witzigen Gedanken noch einen besondernAbschnitt liefere, und mich bey denen Figuren aufzuhal-ten vor unnöthig halte, nur von denen Gedankenfiguren
handeln.