6io ZweyterTheil,viHauptstück,» Abschnitt,
Wenn es nur auf die Beantwortung einer gegenseitigenSchrift ankommt; so pfleget man oft die ganze Schrift desGegentheils wieder abdrucken zu lassen, und dieselbe durchbeygefügte Anmerkungen zu widerlegen. Ist die gegenssiri.ge Schrift kurz, und ist selbst eine gute Ordnung darinnenbeobachtet; so ist dieses Verfahren nicht zu verwerfen. Al-lein wenn die gegenseitige Schrift weitläufcig, unordentlichund in einer schlechten Schreibart abgefasset ist; so hat manhey diesem Verfahren nichts anders zu gewarten, als daßallen vernünftigen Leuten vor einer solchen Deduction ekelt,und daß so wohl das Gtwäschc des Gegentheils, als die bey-gefügte gründlichste Widerlegung ungelesen bleibt. Manthut also in diesem Falle viel besser, wenn man eine ordent-liche Widerlegung abfasset, die Beschaffenheit der Sacheund die Streitfragen, woraufes dabey ankommt, voraussehet,die gegenseitigen Gründe in kurze Sähe fasset, und sodann zuderen Zergliederung und gründlichen Widerlegung schreitet.
§.
Man kann bey dieser Art von Schriften allerdings eineschöne Schreibart gebrauchen: und vornehmlich finden hierwitzige und lebhastige Gedanken ihren Platz, die aber nie dieBeleidigung des Gegentheils zum Endzweck haben müssen.D-e Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert auch eine vor-zügliche gute Schreibart; und wenn man seine Gedankennicht geschickt und lebhaftig vorzutragen weiß; so wird dieWelt schlecht überzeuget werden, indem diese an sich selbst nichtangenehmen Materien ohnedem wenig Leser finden. Die Hö-fe haben also große Ursache, auf Verfasser zu sehen, die eineschöne Schreibart in ihrer Gewalt haben, welches man abersehr wenig wahrnimmt. Denn man setzet hierinnen gemei-niglich sein Vertrauen auf Leute, die in Geschäften geschickt,aber nicht allemal gute Stilisten sind, und öfters noch wem-ger die Gabe haben, schön zu denken, und ihre Gedankenüberzeugend vorzutragen. Die äußerliche Form der Dedu-ccionen ist denen gelehrten Abhandlungen, die zum Druck
beför-