von den Hofr und Staats - Reden. 647
ehrungSwürdigen Eigenschaften die Bewunderung von ganzEuropa erworben hat, mich solcher würdigen Verrichtungenunterziehen soll. Noch glücklicher aber wiHde ich mich schätzen,allergnädigster Herr, wenn meine Bemühungen mir zugleichEw. Königl. Majestät hohe Gewogenheit erwerben könnten.Dieses ist der eifrigste und ehrerbietigste von allen meinenWünschen, und ich werde meine Bemühungen verdoppeln,mich derselben durch meinen Eifer und tiefste Ehrfurcht eini-germaaßen würdig zu machen.
IV.
Rede des Cardmals Tencin, als französischenMinisters, an das im Conclave versammleteCardinalscollegium gehalten.
Dieses ist das andre mal, da ich vor Ew. Eminenzen imNamen des Königs, meines Herrn, als dessen Minister er-scheine. Dem Pabste selbst aber, dessen Tod uns zusammenbringet, habe ich die Ehre zu danken, daß ich als Dero Mit-bruder dabey mich finde. Also ist mir dieses Amt um so vielbetrübter, als es mir rühmlicher ist. Ich bin aber durch dendurchdringenden Schmerz, den ich empfinde, nur desto fähi-ger, den von dem Könige, meinem Herrn, anzuzeigen: undich finde in meinem eignen Herzen alle die Regungen,dieich ihnen in seinem Namen eröffnen soll.
Ja! meine Herren, der älteste Sohn der Kirche und de-ren vornehmster Beschützer bedauret das ehrwürdige Haupt,welches sie verlohren hat, unendlich. Nach der Bestürzungüber die Gefahr, worinn sich seine Heiligkeit vor etlichen Mo-naten befand, und worüber er seinen Kummer in den zärtlich-sten Ausdrückungen zu erkennen gab, vernahm er mit dem in-nigsten Vergnügen, daß Gott ihn uns annoch erhalten wollte.Er erkannte seine Aufrichtigkeit, Mäßigung, Edelmüthigkeit,Frömmigkeit und Religion, welche alle seine natürliche Qua-litäten krönten und heiligten, und welche in den letzten Jahrenseines Alters mit einem neuen Lichte hervorleuchteten.
Das.