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Französische Staats-Regirung : welcher Gestalt selbige ehedessen von der herrsch-süchtigen Königin Catharina von Medices auf türckische Manier gegründet, hernach von den nachfolgenden Königen und deren Haubt-Ministern Richelieu, Mazarini und andern verbindlichst fortgesetzet : und bisshero von König Ludwigen dem Vierzehenden mit gantz unchristlichen, aus der ottomannischen Academie, denen alcoranischen Lehrsätzen gemäss, hervor gekommenen Maximen ausgerüstet, auch auf geschworne und verbindlichste Brüderschafft, den frantzösischen Unterthanen zum äussersten Ruin, in Ubung gebracht worden / auf das Kürtzeste von keinem Passionirten, jedoch aber der türckisch-frantzösischen Regierung wolerfahrnem Ehren-Gemüht beschrieben und mitgetheilet
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bet solche in ihrem vslkommenen Werth/ und wird niemals durch kenSul-tan renuncirt oder annullirt. In übrigen so bestehen beyde violenreReiche in der scharfen und unverzüglichen Vsrfahrung/ mit welcher dieIustitz/ ohneGewissensEcrupel und ohne Ansehen der Person verübtwird.Da dann der Unterscheid zwischen den Fehlern in keine Consideration/ oderselten in eine/kommet/ sondern alle^)taaks-Crimina/sie seyen schwer oder ge-ring/ mit gleicher Straffgezüchtiget werden.

4f-Beyde Cronen haben auch zmMaxime/daß ste deroTruppen beyRu-^He-Stand und in Füedens'Zeit/ von einer Guarnison zur andern lassenmarchiren / umb sie in immerwährenden Übungen zu halten/und ihnen dieböseHumores/oderCorruption/welche bey allzulangenStill-Liegen denCör-pern der Dingen/und der Menschen Gemüthern pflegt einzureissen/zu dis,sipiren/ welche Maxim von den Römern den Ursprung hat/und den Sol-daten in einer stetswährendenGewonheit zur Arbeit unterhaltet / auch der»Comnwndanten oder Bcsihl-habern / wird durch lolche Abwechselungen/die Gelegenheit abgeschnitten / schädliche Correspondenzen/Aufrühren/Verrächereyen oder Rebellionen zu siifften.

4^- Und wie der Sultan/unter andern Mitteln/auch dasjenige Hai/ei-nen Baffa/welchen er wegen dessen hohen Qualitäten und Liebe desVolcksscheuet / zu rumiren/ durch eine Heyrath mit einer seiner Schwestern/oderandern B freundin/ unter Präcext/ daß solches aus einer sonderbarenGnad und Gewogenheit geschehe. Da doch von dem Augenblick an/der-felbige der Unglückseligste Schlaue von der Welt wird/ und ein Platz voneiner zunehmenden Hoheit und Macht nichts anders erwirbst/ als dieSchwerste Unterdrückung und Leibeigenschafft / und dieAusmerglung al-ler Mitteln. Also hat auch Franckreich dj.se Maxim/^m Brauch nichtallein in seinem eigenen Reich / sondern auch ander EnrepaischeKöm'ge undFürsten durch Vermählung Frantzösischer Princeffinen/ zu FrantzösischenSclaven gemacht / und theils ins höchste Verderben gestürtzt/davon re-den Portugal und Pohlen/Hanover/Meckienburg und andere mehr.

47. In beyden Reichen scheuet man/wie eine Pestilentz die Survivanßder hohen Bedienungen mitzutheilen.

48. Wann in beyden Reichen die Vorsteher des Voscks/und diesKöni-glicheEi-mehmer wol gespickt sind/und sich bereichert /so werden sieunterPratext falscherAdministration eingezogen/und wie volle Schwämme aus-

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