Band 
Dritter Band
JPEG-Download
 

292

Atmosphärische Luft u n n ElektricitäV.

geladene Conductoren wären, glaube man den Donner durch eine Entladungderselben zu erklären ; dafs aber der Schall anhallend sei, suche man da-durch begreiflich zu machen, dafs der Blitz in Vergleichung der Zeit, dieder Schall gebrauche, um eben diese Räume zu durchlaufen, unendlichgeschwind sei. Daher müsse von den verschiedenen Stellen der entladenenWolke der Schall nach und nach zum Ohre gelangen , wo wir gleich denBlitz zu gleicher Zeit wahrnehmen. De Luc meint, diese Erklärung würdeallerdings Beifall verdienen , wenn das Rollen des Donners immer schwächerund schwächer werde; da es aber bald schwächere bald stärkere Stöfseverursache, so werde dadurch jene Hypothese sehr unwahrscheinlich.Ausserdem habe man nicht ein Mal daran gedacht, dafs diese besondereHypothese die allgemeine ganz vernichte. Denn wenn sich die elektrischeMaterie von Wolke zu Wolke ins Gleichgewicht setzen könnte, so lassesich unmöglich einsehen, wie Wolken positive und negative Elcktricitätbesitzen können, und doch eine zusammenhängende Masse von Gewitter aus-machen sollten. Die Hypothese, dafs das vielfache Echo der Wolken denrollenden Donner zu Wege bringe, stimme mit der wirklichen Folge, dieman beim Geräusch des Donners beobachte, gar nicht überein, und habebesonders noch das Auffallende, dafs man blofsen Nebeln, wie die Wolkensind, eine Fähigkeit beilege, den Schall zu reflectiren. Herr de Luc meint,es bilde sich vielleicht in dem Augenblicke, da die elektrische Materie ausden in der Wolke enthaltenen Bestandteilen zusammen gesetzt werde, einebenso grofser Uebcrflufs von heissem Wasserdunste, welcher in verschie-dene Massen gelhcilt sei, und anfänglich weit mehr Raum eiunehme, alsdie Luft, woraus er entstanden. Diese Massen werden vielleicht nachher,wenn sie bei ihrer Abkühlung unter dem Grade der Hitze des Siedpunktsin diese Höhe kommen, durch den Druck der Luft plötzlich zersetzt, wel-che das Wasser davon unter der Gestalt des Nebels zerstreue. Diese Er-klärung gründe sich auf die Verwandlung der dephlogislisirten und brenn-baren Luft in Wasser, wo ebenfalls erst Ausdehnung, und alsdann Zerstö-rung aller Ausdehnbarkeit Statt finde, und dann auf mehrere andere Phä-nomene des Wasserdampfs. Dadurch würde sich zugleich die Verdickungder Wolken und die darauf folgende Entstehung des Regens erklären, wel-cher gewöhnlich nach starken Donnerschlägen entsteht. Nach dieser Erklä-Tung entsteht also der Knall des Donners durch eine Explosion, der Luft,indem sich die elektrische Materie, welche plötzlich in grofsem Ueberflusseerzeugt wurde, durch den Druck zersetzt, ihr Licht fahren läfst, und da-dftreh den Blitz hervorbringt; das Rollen des Donners aber besteht in