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Betrachtungen über die Mahlerey / [Christian Ludwig von Hagedorn]
Entstehung
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Von dem Geschmack

Erstes >üren, deren Aufklärung uns vielleicht in höher»-eisen der künftigen Welten vorbehalten ist.

Ich darf, werthester Freund, wegen desrichtigen Geschmacks mich nur auf Ihre eigeneErfahrung berufen. Dieses Wohlgefallen anden Künsten, das Sie von den Freunden, diesich nur in die schönen Wissenschaften theilen, sovorcheilhaft unterscheidet, leget den Geschmack ander Natur zum Grunde, oder es ist vielmehr ei-nerley Geschmack unter verschiedener Anwendung.Er ist ein Lehrling der Natur und ein Richter derKünste, und nichts als die Fähigkeit, das Schöneüberall zu empfinden, und von dem, was esmehr oder weniger ist, zu unterscheiden.

Was ist aber das Schöne? Dessen Erklä-rung soll uns unsere Empfindung angeben. Wirbedürfen nur, hierauf Acht zu haben, so werdenwir in der Schule der Natur mehr, als vondem gekünstelten Witze lernen.

Gönnen wir zuerst dem sogenannten Wegeder Untersuchung nur einen kurzen Blick.

Wie viel mannichfaltiges muß nicht zu einemZwecke zusammenstimmen, und wie viele Be-griffe muß nicht auch ein geübter Verstand oftdaran auseinandersetzen, bevor er über die Voll-kommenheit des Ganzen den Ausspruch thut!Ueberlaufen Sie, wenn Sie wollen, sofort inGedanken, alle Gliedmaffen, die zu einem voll-kommen