z;6 Eilfter Brief. Studley.
Ruinen nehmen sich am besten in der Ferne aus,sie verlieren bey der Annäherung, wenn der Zugangnicht etwas schwer ist. Künstlich zubereitete Fuß-steige zu denselben scheinen den Begriff des Ganzenzu schwächen. Erblickt man sie zuweilen auf unge-bahnten Wegen, wird der Zugang durch Schutt-haufen, oder durch steile unüberstcigliche Absatz - ge-hemmt, mit einem Worte, sieht man einige Theilegar nicht, andere nur halb, und wird man allent,halben nichts als Trümmer, moosichtes Gemäuer,und schreckliche Bilder der Zerstörung gewahr, sobemeistert sich alles der Einbildungskraft, sie wirderschüttert, und schweift noch über die Wirklichkeithinaus. Räumt man diese Schwierigkeiten hin-weg, und stellt alle verborgene Winkel, welche dieSonne seit vielen Jahrhunderten nicht beschienen,dem Auge dar, so schwächt man den lebhaften Ein-druck, und die Phantasie wird sich nicht mehr selbstüberlassen, um den Gegenstand zu veredeln. Istdas Gebäude Gothisch, so wird man unter zwanzig-mal nicht einmal dieses Verlustes wegen durch etwaswirklich Schönes schadlos gehalten. Man sieht et-was Gezwungenes und Widersprechendes in denRuinen, keineöwegcs zierliche Griechische Monu-mente. Diese Gründe scheinen mir so wichtig, daßmich dünkt, man muß die Ruinen in dem wildestenZustande, darein die alles verwüstende Zeit sie nursetzen kann, liegen lassen. Der jetzige Besitzer vonFountaince Abtey hat zu viel Einsichten, um dieWirkung dieser so weitläufigen Ruinen zu ver-ringern.
Ob der^Geschmack bey künstlichen Ruinen rich-tig ist, läßt sich gleich entscheiden; sie müssen wirk-liche Ruinen aufs genaueste nachahmen. Aus die-sem