182
zosen und die frühere Reife derselben in allen Wer-ken des Geschmacks ebenfalls in der französischenStaats- Verfassung die nämlichen Hindernisse undeben dieselben hemmenden Wirkungen hätte findenmüssen. Aber Frankreich hatte eine Litteratur,wahrend Deutschland noch nicht einmal eine Spra-che hatte, und was mag wohl am Ende die Ursa-che seyn, daß nicht auch Deutschland in seinen An-nalen ein Jahrhundert Ludwigs XIV. auszuweisenhat? — Wenn übrigens nachher die Deutschen inAllem, was wissenschaftliche Cultur betrifft, überalle Völker Europens hervorragten, so war diesessicher nicht die Wirkung ihrer schon seit Jahrhun-derten durchlöcherten Verfassung, sondern es wardie Folge der Gründlichkeit und der Kraftfülle desdeutschen Geistes, der jedem seiner Werke einenlebenden Odem einhaucht, und jedes Produkt mitdem unverkennbaren National-Stempel seiner nurihm eigenen Kraft bezeichnet.
Es versieht sich also von selbst, daß hier kei-neswegs die Frage war: ob nicht auch Deutsch-land seine Corneille, Racine, Fenelon rc. habe?Alles dieses, und noch etwas weit Vorzüglicheres,weit Höheres hat Deutschland auszuweisen — dereigenthümliche Charakter des Ausschließlich soge-nannten Zeitalters Ludwigs XIV. besteht in demgleichzeitigen, beynahe wunderbaren Zusammentref-fen so vieler talentvoller Männer in allen und denmannigfaltigsten Zweigen der Litteratur; fernerin der schönen, ihrer Natur nach ganz einzigen,harmonischen Wechsel-Wirkung tiner in Enthusias-
W
»lli
U«
W
.P!
Ich!
«
Pl!«!i, i
chll
kiv
Sü