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»A Wer im Gegentheil jene Sehnsucht nach Unsterb-lichkeit nicht kennt, der mag zwar jeder Religionleicht entbehren, aber von dem wahren Gefühle-Äid feines eigenen Werthes und der Würde der Mensch-ch K heit überhaupt wird er auch schwerlich sehr lebhaft>»ch durchdrungen seyn. Er lebt daher blos in der Ge-nch genwart und wuchert mit dem Moment; was ihm>r d»j nichts einträgt, paßt nicht in sein System, undM wo Alle, mit mehr oder weniger Schlauheit, soÄrn handeln, da hat man einen Staat ohne ReligionW und den eckelhaftesten Egoismus zur Gottheit.rM Als Ludwig XIV. Frankreichs Thron bestieg,O«, mußte die damalige Lage von Europa, und die«r ihn selbst überraschenden ungeheuern Kräfte seinesM Reichs den jungen Monarchen bald zu der Ueber-M zeugung führen, daß es jetzt nur von ihm abhien-! ge, Frankreich zu einer völlig präponderirenden,iiairil- allein herrschenden Macht in Europa zu erheben.W Spanien unter seinem königlichen Avtomat lag inchii einer völligen Ohnmacht. Oesterreich war durchfrat« den dreyßigjährigenKrieg gänzlich erschöpft; Deutsch«!Hii land in sich getrennt, und ein Theil seiner Fürstenichs. im geheimen Bunde mit Frankreich. Die nordi-sch dischen Reiche waren auf das neue erschüttert, undm le in wechselseitige Kriege verwickelt. Italien war ini ms eine Menge kleiner Staaten zerstückelt, und noch»ich voll Eifersucht auf den zurückgebliebenen Schattenichs jener einst so gefürchteten, aber nun längst hinge-schwundenen Spanischen Größe. Die Kräfte Eng-lisch lands, unter dem Szepter eines leichtsinnigen,Hm verschwenderischen und stets geldbedürftigen Kö-