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Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
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I, kch diese Stelle ansehe, so ost glaub' ich eine» Strophe von den alten Bardenliedern vor Augen zu haben, die Tacitus, als der deutschen Spra- che unkundig, mit römischen Ohren angehört und also ganz mißdeutet hat. Beym Anblick von Roms Legionen begannen die Deutschen zu,, singen:

Do de arge Kuz,, Dc uhs verödet düt Huß,

Do is schone vele Mans Kan dei der knastern ganz.

Woraus der Geschichtschreiber folgendes, heraus-» zog: ^

Tuilio origo Zenti»

,, Deu8 terrs eclitus,

Tuilionis ülius Älgnnus Lonclieor nokkN gcntis. "

Reimmannen lassen wir diese Auslegung verant-worten. Immer bleibt so viel gewiß, daß die Bar-den die Thaten der Helden besangen, und (nachdem Marcellin I, 15.) den Gesang mit der Leyerbegleiteten. Auch Diodor der Sicilier (B.V.)schreibt den Barden eine Art Leyer zu. Sehr kon-trastieren die friedlichen Lieder mit den Schlachtge-sängen der Deutschen. Mit Gesang, " sagt Taci-tus , gehn die Deutschen in's Tressen. Eine Gat- tung ihres Gesanges ist der Barritus oder Bar- ditus, wodurch der Krieger zum Streite ent-