Buch 
Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
Entstehung
JPEG-Download
 

-9

deutliche Weise. Er erwählte ihn zum Präccptorseiner Söhne, und so bestättigze sich an ihm dieWahrheit jenes Sprichwortes: äocsnäo ällcimus.

Bisher hatte er nach seiner Neigung gelebt. Daer aber wegen seiner Lcibesgröffe ableite der Wer-ber allerley Nachstellungen ausgeftzt war, so hatteer sich zwey ganze Jahre in seinem Kloster ver-schlossen. Diese Zeit brachte er mit Studiren sehrvergnügt zu.

Den 24. März 1724. wurde er zum Soldarcu-leben gezwungen. So viele Mühe auch seinetwegenangewendt wurde, so war doch alles umsonst; ermufite Soldat bleiben. Nichts desto weniger blieber den Musen immer noch treu. Eine gelegentlicheElegie, da sein liebster Schulgescll und Herzens,freund, Gottfried Clemens, nach Jena gieng,machte ihn in Berlin bey einigen Gelehrten bekannt,und sie erlaubten ihm ungehinderten Zutritt. Un-ter andern gerieth er in genaue Bekanntschaftmit dem Pastor Schönemann. Dieser suchte ihn'zu bereden , daß er zum Dichter gebohren wäre.Er selbst hatte Mühe, es zu glauben. Wenn er jaVerse machte, so waren sie allemal lateinisch. Ervergaß es niemals, daß ihn; in einem Gelegeuheits-gedichte ein grammaticalischer Schnitzer wider seineeigene Muttersprache entwischt war.

Das Soldatenleben ward ihm durch seinen väter-lichen Hauptmann, von Ieetz, erleichtert. Der