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Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
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Lern gerechte Schäzung des Kenners. Was er inseiner Dramaturgie über des Aristoteles Poetik ge-sagt hat, giebt grösser» Aufschluß über die Gedan-ken des Vaters der Kunstrichter, als alles, wasdie Robortelli und Vattori, die Dacier und Batteuxdarüber commentiert haben. Was er in eben diesemBuche über die Geschichte der alten Komödie, überdas Trauerspiel der Alten , über die Prologen deSEuripides, und im Laokoon über Homers Manierund über den Philoktet des Sophokles gesagt hat,sind hingeworfene Goldkörner, die aber einen Schazder tiefsten Kenntnisse verrathen. Hätte er sichhauptsächlich mit der Verbalkrilik beschäftigen wol-len , so würde er neben den größten Philologen un-serer Zeit eine ehrenvolle Stelle behaupten. Ein.zelne Urtheile über Lesarten, die er in seiner Beur.theilung der Langischen Uebersezung des Horaz, inden Abhandlungen über Fabel und Epigramm, imLaokoon und andern Schriften geäußert hat, zeigengenugsam sein Geschik zu kritischen Entdeckungen.Auch die Beyträge zur Geschichte und Litteratur,die er als Bibliothekar zu Wolfenbüttel ansieng,enthalten Beweise von seinem unermüdeten Forsch-ungsgeiste, von seinem treffenden Blicke, vonder Geschiklichkeit, die verborgensten Funken desWahren zu entdecken, zusammeln, zuvercinbarcn,und aus denselben das hellste Licht zuerzeugen. In-dem er ins Grosse arbeitete, ließ er nicht die gering-