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Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
Entstehung
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von einer Periode zur andern; von Luther bis aufOpiz, von Opiz bis auf Wolf, und so fort biszum Zeitraum, dessen größte Zierde er selbst war.Die Sprache hatte er mit allem Tiessinn des Gram-matikers studier, und mit diesem Studium alleBelesenheit des Litteratoren verbunden. Gleichwolsieht man in seiner Schreibart nichts von der Acngst,lichkeit des erstem, auch nichts von der Sucht zumSonderbaren oder Bunten, wovon so gerne derleztere angestekt wird. Veraltete Wörter frischte ernur dann wieder auf, wenn sie irgend eine neueNüance zeichneten. Neue Wörter wagte er selten,aber glüklich. Allzu gut kannte er den fruchtbarenBoden unserer Sprache, um die Zahl der eigenenGewächse, durch wiedcrnatürliches Absenken undPfropfen, ohne Noth vermehren zuwollen. Frey-heiten wider die Wortfügung erlaubte er sich ebenso selten, vermied sie aber nicht, wenn sie der Schreib,art Schwung und Leben ertheilten. In seinemVortrage herrscht Fülle mit Sparsamkeit; haar.scharfe Bestimmtheit mit zwangloser Leichtigkeit;ächte Deutschheit findt man nirgends so reich-lich; nirgends mehr Goldkörner aus! dem altenSprachschaz, nirgends einen so natürlichen Ge-sprächton; durchgängig das helleste Licht, ohne eini-ges Blendwerk. Leßings dramatischer Dialog,(besonders in seinen drey lezten Stüken, Minnavon Barnhelm, Emilie Galotti, und Nathan dem