Buch 
Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
Entstehung
JPEG-Download
 

;;4 '^

den Dreistigkeit seines Tadels. Bey dem mittel-mäßigsten Schriftsteller übersah er nicht das Gute;bey dem größten Dichter entwischte ihm nicht dergeringste Fleck. *) Wenn er es wagte an KlopstoksLiedern heterogene Empfindungen zutadeln; wenner behauptete, daß sich dieser erhabene Dichter inder Meßiade bisweilen durch einen gewissen Geistder Orthodoxie von dem Interesse der Dichtkunsthabe ableiten lassen, so verchrete er ihn nichts destoweniger als eines der göttlichsten Genies; er ver,thaidigte ihn gegen falsche Kritiken; er machteaufmerksam auf die Verbesserungen, die Klopstokselbst in seiner Meßiade gemacht hatte, Verbesserun.gen, in denen man, (wie er sich ausdrükt,) diefeinsten Regeln der Kunst studircn kann; er ertheilteseiner Prosa, seiner Abhandlung über das griechi-sche Sylbcnmas ein eben so feines als wahres Lob.Gleichwol griff ihn Basedow mit der jugendlichenHize eines schwärmerischen Anbettcrs wegen einerseiner Kritiken über Klopstok an. Er beantwortetediesen Angriff, wie ers verdiente. **) Lehrreichist besonders folgende Stelle, die von jungen Lieb-habern der schönen Wissenschaften nicht genug kannbeherziget werden: Weil ich Herrn Klopstok für ein grosses Genie erkenne, muß er deswegen

*) Litt. Br. III. St.

**) Litt. Br. M. St.