Buch 
Blicke in die römische Republik : oder Die freiwillig Verbannten und Lionello : Fortsetzung des "Juden von Verona" / Antonio Bresciani ; Nach der Civiltà cattolica deutsch bearbeitet
Entstehung
JPEG-Download
 

251

Flibustiers der Küsten arbeiteten ihm in die Hände, wofür er die Beutemit ihnen theilte. Mit ihrer Hilfe legte er Steuern auf und forderteunerschwingliche Kontributionen von den Küstenorten, von den Gesell-schaften der Handeltreibenden, von Wallfischfängcrn und Fischern ein.Sein Schooner war ein so vortrefflicher Schnellfeuer, daß er den aufihn jagdmacheüden Kriegsschiffen wie eine Schwalbe dem Habicht ent-wischte. Heute kreuzte er in den Gewässern von Lima, die Nacht daraufwar er schon in weitester Ferne; seht erschien er in den Häfen von Kali-fornien und kaum war es ruchbar geworden, so trieb er sich schon wiederkampflustig in den Meeren von Neuarchangel herum und flog nach deneisigen Inseln von Gores und S. Lorenzo, wo er auf die russischen'Schiffe Jagd machte, die der Handel mit Biberfellen und Zobelpelzendahin zieht. ,

In weniger als anderthalb Jahren war er ungeheuer reich geworden.Er hatte aus der Beute der genommenen Schiffe einen schweren Schatzan Perlen und orientalischen Edelsteinen, an japancsischcm und chinesischemPorzellan, besonders aber an Goldstangen zniammengehäuft, welche erals Ballast im untern Schiffsräume, seines Fahrzeuges hatte, auf dem ergeehrter und gefurchtster Monarch und Tyrann war. Seine Spießgesellenin der Piraterie, so verrucht und verwegen sie auch waren, erschienendoch ihm gegenüber wie Lämmer, und standen gebeugt und scheu vorihm; in einem so hohen Grade hatte er über jene rauhen und wildenGemüther die Herrschaft gewonnen. Die höllischen Eide der geheimen Gesell-schaften, die er in die Seele geprägt hatte, leuchteten aus seinen Augenwie durch eine Art unheimlichen Wiedersehens, und heftete er im Zorneseinen Creaturen die finsteren und glühenden Augen ins Gesicht, so sahensie darin den Engel Satans funkeln, der sie bis in's innerste Herz durch-zuckte, und sie durch seine unheimliche Gewalt bannte und vernichtete.Bei allem dem liebten sie ihn dennoch so maßlos, daß sie bei dem ge-ringsten Winke von ihm bereit waren, sich mit Löwenmuth zwischen dieSchwerter und Picken derjenigen zu stürzen, die aus den geenterten Schiffenihr Leben wenigstens so theuer als möglich verkaufen wollten; dennLionello war trotz aller seiner Grausamkeit doch edelmüthig und fastverschwenderisch gegen sie, weil ?on Natur hochherzig und von Geburtein freigebiger Herr.

Unbegreiflich!" unterbrach Alisa.Sag' einmal, Mimo, mirkommt's vor wie eine Comödie, daß Lionello sich selbst so häßlich undabscheulich zeichnet, wie einen Teufel, welcher dem Verdammten auflauert,der seinen Krallen zu entwischen sucht."