„Der Mann macht's wie ein Mörder," sagte Mimo, „der, ehe erdie Leiter zum Galgen hinaufsteigt, noch eine Generalbeichte beim Capu-zinerpater ablegt."
„Wenigstens mag's zu unserer Warnung dienen," entgegnete dasgute Mädchen.
„Ei, ei," sagte Lando mit einem verschmitzten Lächeln. „FürchtestDu Dich auch, Carbonarin zu werden? Du wärest eine feine Carbonarin."
Ohne Spaß, fuhr Mimo fort, auch mit Carbonarinen machteunser Corsar Geschäfte. Er machte eines Tages Jagd auf einige Fahr-zeuge, welche von Concepzion nach Panania segelten, als er plötzlich aufeine brasilianische Brigantine stieß, welche frisch und leicht, nachdem siedie Wirbel vom Cap Horn glücklich hinter sich hatte, mit vollen Segelnnach der Insel S. Ambras gegenüber der Küste von Copiapo zusteuerte.Das lecke und flüchtige Fahrzeug sehen, es verfolgen, ihm zwei Kugelnin die Flanken senden, es entmasten und entern, war alles das Werkweniger Augenblicke. Hart war der Strauß mit den Brasilianern, dieeine reiche Ladung und kräftige Bemannung hatten; aber Alles wichzuletzt vor dem wilden Ungestüm des Corsarsn und seiner Leute. Lionelloselbst ward von einem eisernen Enterhacken am Ueberrock gefaßt, den erim Augenblicke ausknöpfte und mit seinem Säbel das geenterte Stück los-hieb, während um ihn her drei seiner muthigsten Flibustiere todt zuBoden sanken. Er sah gewisse verzweifelte Gesichter unter den Rümpfen-den, die ihm keine Seeleute, sondern Passagiere zu sein schienen. Hartging er aber ihnen mit den Geringen zu Leibe, und zielte besonders nachden Kniekehlen, um sie zu Boden zu strecken. Nachdem das Schiff ge-nommen, die Mannschaft gefallen, gemordet und die Leichname in's Meergeworfen waren, stieg Lionello unter das Verdeck, um in der Cajüte desCapitäns nach dem Verzeichnisse der Ladung und dem Gelde zu suchen.Sein erster Blick, nachdem er ins Zimmer getreten, fiel auf ein Mädchen,das ganz zusammengekauert in einem Winkel saß, und ihm gegenüber aufeinen Mann, der bleich und verstört vor Schrecken ihm gedankenlos in'sGesicht blickte. Wie Lionello ihrer gewahr wurde, stieß er ein Geheulaus, wie das Gebrüll eines verwundeten Löwen und trat dann mitwilder Geberde mitten in's Zimmer. "
Er erkannte augenblicklich, daß dies die Creolin war, die in der ge-heimnißvollen Villa Lissabons ihn seinen Freund Alfred hatte abschlach-ten lassen, und der Andere eben jener Unbekannte, der ihn zu diesemMeuchelmorde geführt hatte. Lionello unterdrückte nach jenem erstenwilden Schrei den Aufruhr seiner Empfindungen, und fragte die Beiden