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und wenn ich nicht klopfen kann, so kann ich doch rufen," und schrielaut: „Capitän! Capitän!" Niemand gibt Antwort. Unterdessen waren ^
auch andere Schiffsleute herab gekommender Bootsmann horchte und hg
meinte etwas zu hören wie ein dumpfes Stöhnen, und rief aus: „Aber ^
hier aus den Ritzen riecht es wie Kohlendampf." Nun rannten sie die K
Ordonanz bei Seite und klopften heftig an die Thüre Wie auch jetzt K
noch keine Antwort erfolgte, sprengten sie die Thüre; eine Wolke Rauch W
und fürchterlicher Qualm drang heraus und entzog ihnen fast den Athem.
Sie sahen Lionello auf dem Bette liegen mit entstelltem leichenblassen U
Gesichte und ohne Zeichen von Leben. Der Bootsmann, ein alter, er- K
fahrener Schiffer, besinnt sich keinen Augenblick, faßt Lionello um denLeib und trägt ihn auf's Verdeck in die freie Luft, wo er ihm die Kleider ^
aufknöpft und augenblicklich den Chirurgen ruft. Dieser gab Anfangs M
wenig Hoffnung; aber, wie Gott wollte, Lionello erholte sich und genas wieder. ^
„Sonderbar!" unterbrach Alisa. „Dieser wilde Corsar ist hartnäckig ^
nur im Böfen, immer den unerträglichsten Gewissensbissen und der Ver-zweiflung preisgegeben. Mir scheint er ein Feigling zu sein, der sein U
Herz nicht zu besiegen weiß, und der, anstatt den Kampf zu wagen, sich ^
tobtet. Aber wie ging's ihm weiter nach dem Verluste seines Schooners '
und nach seiner Flucht auf die Sandwichsinseln?" ^
Du sollst es sogleich hören, sagte Mimo. Seine List. sich für einen ^
Schiffbrüchigen auszugeben, wobei er sein Unglück mit tausend Lügen so ^
herzbrecherisch zu schildern wußte, daß er überall Mitleiden fand, gelang K,
ihm vortrefflich. Der englische Gouverneur nahm ihn freundlich auf, undgab ihm bereitwilligst für ihn und seine Genossen Pässe. Mit dem ersten ^
Schiffe, das nach dem atlantischen Meers unter Segel ging, schiffte ersich ein und langte glücklich im Hafen von Buenos Ayres an. ^
Zur Zeit, als Lionello in Buenos Ayres eintraf, war der Präsident ^
Rosas in blutigem Kampfe mit der Republik Montevideo verwickelt. Die ^
eigentlichen Urheber des Krieges waren den kriegführenden Parteien selbst „
gewissermaßen fremd. Montevideo hatte nämlich eine Menge italienischer ^
Flüchtlinge vorn Jahre 183l aufgenommen, die nun, um sich wichtig und ^
nothwendig zu machen, aus allen Kräften in die Flammen bliesen, um zj,
den Ausbruch der Feindseligkeiten nicht zweifelhaft zu machen. Die vor- z,.
züglichsten unter diesen kriegslustigen und verwegenen Gebannten waren ^
Joseph Garibaldi, Joseph Borzone von Chiavari, Valerga und Anzani,und vor ihnen noch andere Ligurier, Livornesen und Romagnolcn Jung-,-italiens, die sich fast alle einen Namen in den unglückseligen Bürgerkriegen ^
dieser einst so glücklichen Staaten machten. ,