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Während demnach dieser wilde Krieg gährte, und der General Oribe,der wegen seiner Hinneigung zu Rosas von Montevideo verbannt wor-den, voll Ingrimm über dieses Unrecht mit seiner Flotte Montevideoblokirte und bedrängte, kam Lionello mit seinem Häuflein Piraten nachBuenos Ayres, wo er bald an den gewöhnlichen Erkennungszeichen derGeheimbünde einige Emissäre Garibaldi's aufspürte, die Rosas Absichtenund Schritte auszuspioniren und zu überwachen gekommen waren.
„Ei, Ei," rief Alisa. „Das geht ja Alles nach Wunsch, welch herr-liches Zusammen treffen! Die Leute kennen sich, wie mir scheint, amGerüche."
„Ich halte fast dafür, liebes Kind," sagte Bartolo, „daß wenn einCarbonaro heute in einem Gasthause übernachtete, und zwei Tage daraufkäme ein anderer nach, er am Gerüche kennen würde, es habe ein Bru-der da gewohnt. Treffen sie sich unter Tausenden, so kennen sie sichaugenblicklich; und es ist nicht anders, als wenn sie die Nase eines Spür-hundes und einen Magnet in den Augen hätten. Dazu haben sie Zeichen,Winke, Cadenzen in der Stimme, Gurgeln in der Aussprache, Zusammen-ziehen der Augenbrauen, eigenthümlichen Gang, besonderes Schneuzen,Kreuzen der Hände, Zuknöpfen der Kleider, Schütteln des Kopfes, ihreeigene Art zu sitzen, die Cigarre im Mund und zwischen den Fingernzu halten, die Früchte zu schälen, zu trinken, die Speisen vorzuschneiden,die Gabel zu sichren, daß dies alles ein Wörterbuch in Format desKönigspapiers und eine ausnehmend reiche Zeichensprache bilden könnte."
Nachdem also, fuhr Mimo fort, Lionello gehört hatte, daß Garibaldimit allen Abenteuerern und italienischen und französischen Verbanntenaus allen Kräften in die Kriegsflamme blase, erwachte auch in ihm einglühendes Verlangen, sich bei einer so prächtigen Gelegenheit hervorzu-thun. Er that auch sogleich die nöthigen Schritte, verabredete Alles mitden geheimen Satelliten des „Helden von Montevideo", wie er ihn im-mer nennt, verkaufte einige seiner geraubten Kleinode, und erwarb umden Erlös ein kleines Fahrzeug, worein er sich mit seinen Flibustierssetzte. Weil nun Montevideo fast Buenos Ayres gegenüber am nörd-lichen Ufer des Rio della Plata gelegen ist, so zog er einen genuesischenSteuermann in Mitwisssnschaft, verließ mit ihm den Hafen unter demVerwände, zu den Pampas zu gehen, um mit ihnen sich im Pelzhandelzu versuchen, und wußte sich überall so gewandt durchzuschleichen, daß esihm gelang, in einen kleinen Hafen der Republik Montevideo einzulaufen.Hier stieg er aus und erreichte sicher die Festungswerke der Stadt, woer sich mit Leib und Seele Garibaldi zur Verfügung stellte.