Am folgende» Tage begaben sich Alle nach dem Mittagessen mitgesteigerter Neugierde nach der schattigen Linde, um endlich das Ende derDenkwürdigkeiten Lionello's zu hören, aber — Mimo hatte sie nicht mit-gebracht. Alisa, die keinen anderen Gedanken mehr zu haben schien, alsden unglücklichen Lionelloz stellte ihn zur Rede: „Warum hast Du dasBuch nicht mitgebracht, Mimo? Hat Lioncllo auf einmal so plötzlich ab-gebrochen und gerade da, wo seine tragischen Schicksale ihrer Entscheidungentgegen zu gehen scheinen?"
Ich weiß nicht, was der eigentliche Grund ist, sagte Mimo; indessenscheint mir doch, daß Lionello die Fortsetzung seiner Schrift selbst keines-wegs aufgegeben habe; und er hätte sie wohl auch zu Ende geführt,wenn ihn nicht der dumme Streich, sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen,daran gehindert hätte. Das Manuscript hat von jetzt an nur mehr kurzeAufzeichnungen in losen Blättern, die wohl die Anhaltspunkte hättenabgeben sollen fiir eine ausführlichere Erzählung. In dem Buche selbstist nach der zärtlichen Apostrophe an seine Schwester, die er glühend ge-liebt haben muß, nur mehr eine Bemerkung über den Ort, wohin in demAugenblicke, als er die letzten Worte geschrieben, das Schiff gelangt war.Sie lautet: „Dieses Buch ist bis hieher geschrieben worden auf dem at-lantischen Ocean am 39. Mai 1848 unter dem 40. Grade der Breiteund dem 25. Grade der Länge, zur Abendstunde in dem Augenblicke, alsdie Glocke am Hinterdecke die erste Nachtwache ankündigte."
„Nun, dann kannst Du ja, mein unübertrefflicher Mimo, immerhinaus den kurzen Bemerkungen Lionello's Geschichte weiter verfolgen,"sagte Alisa.
Es sind eben doch nicht alle bloße Skizzen, sondern es ist auch mancheStelle ausgeführt: einzelne davon handeln von Ereignissen, die wir be-reits in den Zeitungen gelesen, oder die uns mit anderen Einzelnheitenund vieler Genauigkeit Aldobrando von Rom geschrieben hat. Die erstekurze Skizze ist vom 2. Juni und besagt, die „Esperanza" sei eben inSicht eines andern Fahrzeuges gekommen, Garibaldi sei sogleich auf denMastkorb gestiegen und habe das rothe Kreuz von Savoyen erkannt. Ernahm also das Sprachrohr zur Hand und blies hinein; hierauf signali-sirte er, das Schiff sollte sich nähern, und sagte: „Italiener." Der Ka-pitän der Brigantine erwiederte: „Genua — wer seid Ihr?" Die „Es-peranza" setzte die großen Segel aus, der Genuese beschrieb eine Rauteund kam auf uns los. Die Schisse ließen die Schaluppen hinunter,worauf Garibaldi mit mir, mit Anzani und Gaggini sich zum Kapitändes Genuesers verfügte, um mit ihm zu Parlamentiren. Der Capitän