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Die Tageszeiten : ein Gedicht in vier Büchern / von Friedrich Wilhelm Zachariä
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22 Der Morgen,

Seine kleine Buhlerinn an sich, und küßt mit EntzückenAlle die Reize der Mutter, die hier im Kleinen sich bilden.

Nun kann die Mutter nicht mehr sich verbergen ; mit himmlischem BlickeStürzt sie sich in den zärtlichen Arm, und schmilzet in Freuden;

Und indem sie das Mädchen auf weißen Armen zurücknimmt,

Zittert die dankbare Thräne von ihrem holdseligen Auge,

Und bald hat sich der Vater in leichte Kleidung geworfen;

Er genießt nun den Morgen in paradiesischer Schönheit.

Bald spatziert er in dichten Aleen mit seiner Geliebten;

Oder sie irren herum in bunten Blumengefilden,

Oft mit fröhlichem Herzen über die Pracht hingebücket,

Welche die gütge Natur auf alle Geschlechter verstreuet.

Jtzo bricht seine Hand die jüngste thauigte Rose,

Die er lächelnd ihr reicht; ihr ganzes Auge wird Himmel,

Und sie steckt sie sogleich vor ihren wallenden Busen;

Lehnet sich dankbar an ihn mit überirdschem Entzücken,

Und die feinesten Züge reden unendliche Liebe.

O! wie dunkel wird sie, wenn ökonomische SchrittsTief in das Feld ihn tragen; oder auf muthigem RosteEr zu Arbeitern eilet auf Fluren, und blumichten Wiesen.

Lange sieht sie ihm nach, bis ihn die krümmenden ThälerIhrem Blicke verschlingen; dann kehrt sie ernster zurücke,

Und hofft jeden Augenblick mehr auf seine Zurückkunft.

So verstreichet der Morgen dem Landmann in schuldlosen Freuden;Nicht so der prächtigen Stadt. In ihre geöffneten Thore