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unterscheidet man in der Karte rasch die betreffendenGegenden an der Massenbehandlung und den gleichmässigverlaufenden Niveaulinien, welche approximativ einge-tragen sind. Hier müssen wir dankend anerkennen,dass uns hypsometrische Bestimmungen durch gefälligeMittheilung des Direktors des k. k. Katasters, Hrn. General-Major von Pechmann, zu Theil wurden, lange bevorderselbe »die trigonometrisch bestimmten Höhen vonTyrol und Vorarlberg« in den Mittheilungen der k. k.geographischen Gesellschaft 1 in Wien veröffentlicht hatte.Die lombardisch topographische Karte ist karg mitHöhenzahlen ausgestattet und so mussten wir mit baro-metrisch bestimmten uns zufrieden geben, welche wirtheilweise Hrn. Dr. Gh. Brügger verdanken.
Der letztere Satz gilt für die Umgebung des Stelvio.Die Studien zum italienischen Grenzgebiet in den Blät-tern Bormio, Bernina, Bergeil sind mit der General-stabskarte von Lombardo-Venetien in der Hand, fortge-führt worden. Dabei wurde der Verfasser bald inne,dass Höhenmessungen erforderlich seien und dem zugenügen sind sechs Sommer hindurch eine MengeAneroid-Beobachtungen gemacht worden, welche als An-haltspunkte dienen. Die Gurven der Isohypsen sind je-doch entsprechend dem Eindruck gezogen, welchen dieGebirgsmassen selber dem Beobachter zurückgelassenhaben. Versteht sich, dass diese Formen wiederholt denfrüher gemachten Bemerkungen entsprechen, so dass diekrystallinischen Gebirge in ihrer Physiognomie ganzwesentlich in Betracht kamen.
Durchweg waltet bei Ausarbeitung der betreffendenKarte das Bestreben vor, nicht schön zu zeichnen, son-dern naturgetreu, nicht Manier, oder Styl, oder wie mandas Machen nennen will, zur Geltung zu bringen, son-dern die Absicht, alle charakteristischen Erscheinungenim wahren Bilde zu zeigen, soviel als Projektion undMaassstab solches gestatteten. 2
Ueber den Zusammenhang localer Erscheinungenmit cosmischen Verhältnissen.
§ 84. Wenn wir im Eingänge sagten, dass auchder beobachtende Topograph beim Begehen der zu ver-messenden Gegend noth wendiger weise zum Nachdenkenauf die Veränderungen im Gebirgsbaue von seinemStandpunkte aus geführt und inne wird, dass ihm dieArbeiten des Geologen unerlässlich sind, so wollen wir,betreffend der vorliegenden Karte, diejenigen Beobach-
1 8. Jahrg. 1864. 2 Heft.
2 Voll zutreffend sagt Ritter von Streffleur in der obenp. 38 citirten Schrift: „Ich war und bleibe der Ansicht, dass eskeine beste Methode geben könne — dass die Wahl der Mittelveränderlich sei und jeweilen von dem Zweck der Darstellung,den disponiblen Mitteln, der Art der Vervielfältigung und der ge-gebenen Zeit abhänge,« pp. 4, 44.
tungen aufzählen, welche den weiteren Gedankengangveranlassten.
Ueberblicken wir die vielfachen Belege, welcheErosion in den drei Gruppen Unter-Engadins nochverschonte, so dürfen wir nicht vergessen, dass das Sedi-mentgestein der Zerstörung weit mehr unterworfen istals das krystallinische. Desshalb ist es staunenswerth,heute noch an die hohen Massen der Liasformation inder Muttler-Gruppe nördlich und an die Triaskalke süd-lich dem Inn hinanzuschauen, deren oberste Höhenwenig differiren mit denen der krystallinischen Gruppe. —Es kulminiren nämlich die Gneise des Piz Buin mit3327 m und des Fluchthorns mit 3396 m . Die zugehöri-gen Einsattelungen erreichen 2806 m im Fermuntpassund 2767 m im Fatschölpass. Die Liasschiefer kulminirenim Rozzkopf mit 3104 m , im Muttier mit 3299“. Die zu-gehörigen Pässe steigen im Fimbersattel auf 2605“, imSattel von Salet bis 2900“. Die Dolomitspitzen gehenin den höchsten Punkten vom Piz dellas Plattas auf3033“, Piz Plafna da daint auf 3174“, Piz Minger auf3122“, Piz Pisoc auf 3178“, Piz San John auf 3042“,im Piz Lat auf 2774“. Keiner der letztem steigt mehrwie 200“ über die 3000“ hinauf, die krystallinischennicht volle 400“, in einem nur die Liasspitzen um300“. — Einsattelungen, wie wir in dem krystallinischenund dem Liasgestein getroffen, haben die Dolomite nicht,ihre Unter-Abtheilungen sind rasch durch Querspaltengetrennt und nur an den äussern Punkten der mit demInn parallelen Reihe haben wir Uebergänge, im PassStragliavita (2700“), westlich, und im Gruberpass(2387“), östlich. Aber diese führen über krystallinischeUnterlage.
Da alle diese Gebirge während Jahrhunderten dengleichen Witterungs-Einflüssen ausgesetzt waren, sichdabei ungleich verhielten, aber nicht nach dem Maasseihrer Verwitterbarkeit (§ 44), so ist wohl noch ein Ele-ment thätig gewesen, welches stellenweise der Erosionvorgearbeitet hat und dieses muss in den Wirkungendynamischer Kräfte gelegen haben. 1 Wir folgern ferner:Das krystallinische Gestein, welches keine Decke vonjüngern Bildungen mehr trägt, erlangte seine Höhe durch
1 Selbst da, wo der Untersucher zunächst auf den Nachweischemischer Verbindungen ausgeht, wie David Forbes, zählt erunter den sechs allgemeinen Ursachen metamorphischer Aktionals erste die Pressung auf und sagt, nachdem er früher schon dasmechanische Element als wichtig betont hatte, in seiner Schrift»On Chemical Geology«: »Alterations by compression and indu-ration, often inducing cleavage as in clay slates. This metamor-phic change is truly mechanical, but occasionally a slight amountof Chemical change has taken place, which possibly might havearisen from the indirect conversion of mechanical into Chemicalaction.« Journal of the Chemical Society. London, June 1868.Die französische Uebersetzung in den Archives des Sciences phy-siques et naturelles. Geneve, Nr. 134, 136, 1869.