Band 
[Erste Abtheilung.]
Seite
174
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174 xxm. Brief. Von des Königs in Sardinien

Beschwören sehr andächtig an: hernach aber verlangte er von denen zween Geistlichen, wel-che die ganze Sache unter Händen hatten, sie möchten der besessenen Person befehlen, daß sieihm aus seine Fragen antwortete. Diese stunden ijZ:' solches zu mit dem Bedinge, daß ernichts unerlaubtes zu wissen verlange, befohlen hierMf dem Teufel zu antworten, und Au-fragte in englischer Sprache, wie er (D.R.) hieß? Weder dieIesuiten noch dasMagdchenverstunden englisch, und diese sagte auf gut piemontesisch: sie wisse nicht, um was man siebefrage. Nach den bisher angenommenen Säßen, und da das Küuale die Wissenschaftfremder Sprachen, eine übernatürliche Stärke des Leibes, und die Vorhersagung künftigerDinge, als drey Kennzeichen einer wahrhaften satanischen Besißung angiebt, hätte derTeu-fel alle Sprachen verstehen müssen: und ist also leicht zu erachten, daß des gegenwärtigenTeufels Unwissenheit den Jesuiten höchst unangenehm gewesen seyn müsse. Sie fielen da-her auf die Ausrede, D. R. müsse etwas unerlaubtes zu wissen verlangt haben, und zu sol-cher Beantwortung habe der Teufel keine Macht von ihnen bekommen. D. R. erklärteihnen deutlich, was er gefraget, und wiederholte alsbald seine Frage auf piemontesisch. DieBesessene aber, der seine Person ganz unbekannt war, wußte eben so wenig seinen Namenauch in dieser Sprache. Hierauf kam D. R. als im Triumphe nach Hofe, und moquirtesich über die grobe Unwissenheit dieses Teufels. Der König und der Prinz von Piemont stim-metcn ihm bey: und letzterer, um dem jesuitischen Teufel einen noch bessern Possen zu spielen,holete aus seinem Kabinette ein chinesisches Psalterbuch, welches ihm der Cardinal vonTour-non als eine Rarität gesandt hatte. Jtztgedachter Psalter war zwar mit einer lateinischenVersion versehen, allein solchergestalt, daß man die chinesischen Blätter herausnehmen konn-te, ohne die auf gegenüber stehender Seite befindliche Uebersetzung mitzunehmen. Miteinem solchen chinesischen Blatte wurde D. R. abgefertiget, um den Teufel zu befragen,was für Sprache und Sache darauf enthalten sey? Die Herren Jesuiten waren indessender Besuchungen des D. R. schon müde worden, und hatten, um ihn von fernerem Zuspru-chs abzuhalten, ausgesprengt: der Teufel drohe, wenn D. R. wiederkäme, wollte er dessenganzen Lebenslauf haarklein offenbaren. Ein Theatiner, der mit den Jesuiten unter derDecke lag, vertrauete dieses der Schwester des D. R>, welche der Geistlichkeit von Herzens-gründe ergeben und daher äußerst bemühet war, ihren Bruder von fernern Händeln widerdiesen Teufel abzuhalten, wiewohl vergeblich. Ich will nicht gut dafür seyn, daß nicht ar-tige Streiche zum Vorscheine sollten gekommen seyn, wenn der Teufel im Stande gewesenwäre, des D. R. ehemaligen Lebenswandel seinen Zuhörern vorzutragen. Allein D. R.trauete der Allwissenheit des Satans wenig zu, und sagte unter andern zum Könige: wennder Teufel alles wüßte, was anderwärts geschehe, so hätten große Herren niemals nöthig, soviele Tonnen Goldes auf Gesandte oder auch auf Spionen zu wenden; sondern sie dürftennur an ihren eigenen Höfen beständig Besessene unterhalten, durch welche sie alles in Erfah-rung bringen könnten. In solchem Vertrauen gieng D. R. in das Haus, woselbst dieBesessene und die Jesuiten bey ihr waren, machte ihnen das Compliment: er habe gehöret,man wolle seinen ganzen Lebenslauf offenbaren; er sey begierig, solchen selbst mit zu verneh-men, fodere also hiemit den Teufel heraus, solches zu thun, und im Falle es nicht geschehe,so erkläre er ihn sowohl als diejenigen, welche diese Fabel von der Besitzung unterstützten,für Erzignoranten und Betrüger. Die besessene Person und die Jesuiten erblasseten überdiesem Vortrage: die letztem wollten endlich das Rauche heraus kehren, und dem D.R. dieThür weisen. Allein dieser kam mit seiner andern Commission hervor, verlangte im Namendes Prinzen, daß die Besessene aussagen sollte, was auf dem vorzulegenden Blatte stünde,

und