Band 
[Erste Abtheilung.]
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von Pisa. ZZ9

abgesondert steht, in Augenschein zu nehmen. Solcher ist rund und drey hundert und fünfund fünfzig Stufen hoch, nach deren Ersteigung man in einen engern mit hohen Mauernumgebenen Bezirk kömmt, worinnen sieben Glocken hängen. Seine Höhe wird ungefährauf hundert und acht und achtzig Fuß gerechnet, und besteht er dem äußerlichen Ansehennach aus sieben Abtheilungen oder Stockwerken, deren jedes in seinem Umfange acht unddreyßig Seulen hak. Diese sind in jeder Reihe von einer Größe, nehmen aber an ihrerLänge mit der zunehmenden Höhe des Thurmes ab. Das unterste Stockwerk hat keine Oeff-nungen zwischen seinen Seulen, es finden sich aber solche in den übrigen sechs Abtheilungen,und machen sie alsdann sechs Corridors oder Galerien aus, auf welchen man um den Thurmgehen kann. Wilhelm, ein Deutscher und Bonanno, dessen schon etlichemal Erwähnunggeschehen, werden als Baumeister dieses Werks angegeben, und soll es um das Jahr 1174aufgeführet worden seyn. Das rarste daran ist, daß er so sehr auf die eine Seite hängt,daß, wenn man von der Höhe an einem Bindfaden ein Gewicht herab laßt, solches fünfzehnFuß von dem äußern Fundamente des Thurms zu fallen kömmt. Es stehen etliche in denGedanken, als sey dieses von den Baumeistern mit Fleiße als eine besondere Probe ihrer Kunstsolchergestalt eingerichtet worden: allein sie bedenken nicht, daß dergleichen Bau von nieman-den als einfältigen für eine sonderbare Kunst könne angesehen werden, und dieses eine Sa-che sey, welche von jedem schlechten Bauverständigen kann nachgemachet werden, sonderlichwenn das Mauerwerk mit langen und großenQuadersteine»,«vie hier geschehen, aufgeführet ist.

Der pisanische Thurm ist nicht der einzige in Italien, der auf eine Seite hängt, und kömmtder Fehler daher, daß der Grund nicht mit gehöriger Vorsicht und hinlänglicher Festigkeitgeleget worden. Der viereckige Thurm zu Bologna, I-a 6 ririlenäa genannt, hat eben dieseEigenschaft, und kann dabey vielleicht noch viele Jahrhunderte stehen bleiben, weil die Datie-rung eines solchen Werkes nicht gerade von der runden Form, wie Georg Vastrri be-hauptet, herkömmt. Der Thurm zu Pisa ist innenher in keine Kammern oder Stockwerkevertheilet, aus deren schiefen und nicht horizontal laufenden Decken und Fußböden man dieGewißheit der wider den Willen des Baumeisters erfolgten Abhangung beweisen könnte;man sieht aber außen an den Fußgesimsen der untersten Seulen, wie solche auf der Seite,wohin der Thurm hängt, viel tiefer zur Erde sich nähern, als auf der andern.

In der unansehnlichen Kirche äeila 8 pma wird ein Dorn von der Krone Christi ver- Kirche -lall»wahret, zu dessen Behältnisse allezeit einer von den vornehmsten Herren der Stadt denSchlüssel hat.

Die Carmelkterkirche hat gute Gemälde von Masiaccio, ein schöner Altar von florenti-nischer Arbeit, verschiedene Statuen und große Seulen aus weißem Mariner.

Liebhaber der perspektivischen Malerey finden solche ä krelco an der Decke der zwar Perspectivi-kleinen aber artigen Kirche, so dem heiligen Matthäus gewidmet und den Benedictinernon- scheMalerey.nen zuständig ist. Man muß aber fast in der Mitte des Estrichs auf einem gewissen Steineals dem Mittelpunkte stehen, wenn man alle Bilder und Seulen des gedachten Gemäldesin ihrer gehörigen Stellung betrachten will.

Dieser Kirche gegenüber und zwar auf der andern Seite des Flusses Arno liegt das Castelle.alte Castcl, welches sowohl als ein anderes beym Arsenal gelegenes Fort von keiner Wich-tigkeit ist. Die rechte Citadelle liegt bey der Pforte von St. Marco und ist nach der neu-ern Art befestiget. Die Stadt selbst hat nichts als einen Graben und alte Mauern zurFortisication.

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