Band 
[Erste Abtheilung.]
Seite
348
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Hofstaat.Charakterder großher-zoglichenPersonen-

Hofpräftnt.

keremoniel.

Der Italie-ner List bey

dem kvlerro-Leremonia-!e.

k^erro-Lc-

rem. gegenden Kron-prinzen vonDannemark

»SpL.

Z48 XL.II. Brief. Nachrichtell

man nicht weniger Schmeichler, als an Höfen findet) fast darüber vergessen, was für übleThaten sich übrigens in dem Lebenslaufe der meisten dieser Fürsten finden.

Der itzige Hof ist ganz still und einsam. Die Schwester des Großherzogs, MariaAnna Louife,verwitwete Churfürstinn von der Pfalz, ist (wie man in der römischen Kirchezu sagen pfleget) devot worden, und laßt sich fast mehr in Klöstern und Kirchen, als bey Ho-fe sehen. Die Großprinzeßinn Violanta Beatrix, des ältesten Bruders vorn itztregierendenHerrn hinterlassene Witwe, eine Schwester des vorigen Churfürsten von Bayern Maximi-lian Maria Emanuels, ist zwar von munterm Geiste, und insbesondere gegen Fremde sehrgnädig; allein sie trägt vielleicht Bedenken, in den Augen ihrer Frau Schwägerinn füreine Liebhaberinn der Eitelkeiten zu paßiren. Der Großherzvg selbst ist nun seit dem Mo-nate Julius des verflossenen Jahres nicht aus seinem Zimmer gekommen. Kein Reisenderund kein auswärtiger Minister wird vor ihn gelassen, und bringt er die meiste Zeit, theilswegen der Beschwerungen von Engbrüstigkeit und Wassersucht, theils wegen der Stärkehes Getränkes und der Liqueurs, die er zu sich nimmt, im Bette zu. Die Großprinzeßinnertheilet öfters Audienzen, und sendet hernach den Fremden von einiger Distinction, oder de-ren Verwandten in vornehmen Bedienungen sind, ein Geschenk, welches gemeiniglich inzwoen Kisten oder Flaschenfuttern von guten Weinen, zwanzig bis dreyßig Schnepfen oderRebhühnern, sechs Käsen und eben so viel großen Botogneserwürsten besteht. Die Ueber-bringer bekommen dafür einen, und derjenige, so das Wort führet, zweene Louis d'or Trank-gelder.

Wenn auswärtige Prinzen durch Florenz reisen und die großherzoglichen Personensprechen wollen, giebt es gemeiniglich viele Schwierigkeiten wegen des Ceremoniels. DieItaliener weigern zwar keinesweges Besuche, die gleichsam incvAnito ertheilet werden; al-lein sie suchen dabey ein Kle^o-Ceremoni»^, wie sie es nennen, abzureden, bey welchem dieCavaliere, so große Prinzen auf Reisen führen, wohl auf ihrer Hut seyn müssen, weil dieItaliener viele List oder ünelle dabey brauchen, und zu andern Zeiten alles nach ihrem Vor-theile auszulegen wissen. Um eine Probe des kkerLo-eercmoniale zu geben, so füge ichhiemit bey den Auszug einer noch ungedruckten Relation von des Kronprinzen und nachma-ligen KönigS Friedrichs des vierten in Dännemark, im Jahre 1692 und 169z durch Italien,Frankreich und Holland verrichteten Reise, wie solche von Hans Hinrich von Ahlefeld, da-maligem königlichen Landrathe und des Kronprinzen Oberkämmerer, nachmals Ritter desElephantenordens, königlichem geheimen und Landrathe, Erbherrn zu Seestermühe, be-schrieben worden:

„Wegen des Ceremoniels in Florenz (fetzt itztgedachte Reisebeschreibung) wurde end-lich nach vielen Schwierigkeiten zwischen dem Herrn von Ahlefeld und dem General Vitelli„ausgemacht, daß Jhro Königl. Hoheit erst jemanden ihrer Cavaliere zum Großherzoge sen-„den solltm, um demselben ein Compliment von Ihnen, als Grafen von Schaumburg, zu„machen, worauf selbigen Abend der Großherzog nebst dem Großprinzen unangemeldet vor,»Jhro Königl. Hoheit Logiment kommen und dieselbe besuchen wollte, da dann Jhro Königl.„Hoheit demselben nicht entgegen kommen, sondern ihn nur bloß an der Thüre von ihrem„Gemache (woselbst sie stehen würden) empfangen sollten; und weil an selbigem Abend bey„der Prinzeßinn ein Ball gehalten werden sollte, wollte der Großherzog Ihre Königl. Hoheit„ersuchen, daß sie sich mit ihm dahin begeben möchten. Im Weggehen sollten Ihre Königl.„Hoheit dem Großherzoge die Oberhand in Dero Logiment bis zum Wagen geben, und„daselbst den ersten Platz in der Kutsche nehmen; der Großprinz aber sollte vor seinem Herrn