XI.V. Brief. Reise
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Fünf und vierzigstes Schreiben.
Reise von Florenz nach Siena, nebst einigen Nachrichten von
dieser Lehten Stadt.
ketretäcta.
Vis cEs. ^^ie alten Römer hatten von Florenz nach Siena, und von bannen ferner nach Rom einegepflasterte Heerstraße angelegt, so Via genennt wurde, und davon man nochviele Merkmaale findet, ob sie gleich nicht so gut als die Via weiche von Romnach Neapoliö geht, unterhalten worden ist.
Gegend zwi- Siena ist von Florenz vier Posten oder zwey und dreyßig italienische Meilen entfernet,schen Florenz Man fahrt zwar immer einen Hügel hinaus und den andern wieder herab, es ist auch dasund Siena. <a„h nicht mehr so schön, als man es zwischen Pisa und Florenz gesunden ; indessen sind dieGegenden dennoch angenehm wegen ihrer guten Aussichten, des vielen Weinwachses und derhäufigen Oelbäume. Der Weg ist allenthalben gepflastert.
Drittehalb italienische Meilen vor Siena gegen Poggibonzi findet man auf einem Ber-gs eine Menge verschiedener Arten von ?etreiä<Ll8, worunter insonderheit die 'Vurbinns-,Lcrombl und 1 roclü in großer Menge sind.
Die olirsa ftlvelil'jz oblonga ist gleichfalls allhier anzutreffen, und zwar viel weißerals man sie zu Mousson, nicht^weit von Montpelier, hat.
Alles dieses versteinerte Mnschelwerk liegt auf solchen hetrurischen Gebirgen wohl er-halten im Sande, und ohne in andere Steine verwachsen zu seyn.
Kur; vor der Scadt Siena laßt man linker Hand auf einem Hügel ein schönes Land-haus, so dem Marchese di Pesco gehöret, liegen.
Siena liegt auf drey Hügeln, und können daher die Straßen nicht anders als sehr un-gleich seyn. Hingegen hilft diese Lage zu angenehmen Aussichten und einer sehr gesundenLuft. Die Einwohner sind höflich und von munterm Geiste; das Frauenzimmer ist Wohl-gestalt, und weniger eingeschränket, als in vielen andern Orten Italiens. Man hält dafür,daß allhier die italienische Sprache in ihrer größten Vollkommenheit und Reinigkeit geredet
VllU cirpesco.
rendcn Deutscheu
Lage derStadt Sie-na.
Lebensartdaselbst.
^iv^lE^der werde. Karl der fünfte hat in Siena eine Akademie aufgerichtet und den daselbst studiren-allhier studi- den Deutschen in Ansehung der Jurisdiction, Auflagen und des Schutzes, welchen sie man-cherley Handwerksleuten deutscher Nation angedeihen lassen können, viele Freyheiten verlie-hen. Es werden solche so weit getrieben, daß man auch behauptet, wenn ein deutscher Stu-diosus jemanden erstochen habe, so könne er noch vier und zwanzig Stunden frey herum gehen,ohne daß ihn jemand anhalten dürfe. Es find solche Privilegien aber einzig und allein vonDeutschen, die auf der Universität leben, zu verstehen, und keinesweges von denjenigen, sosich etwan bey den Jesuiten .oder in andern Stiftungen und Collegiis aufhalten. GedachteAkademie ist anißt in schlechtem Zustande, und erstrecket sich die Anzahl derer auf selbigerstudirenden Deutschen nicht über zehn bis zwölfe. Die Stadt selbst ist arm an Einwoh-nern, und zahlt man derselben in allen kaum siebenzehntausend. Die besten Häuser scheinender Piccolominäische und des Marchese Zondadari Pallast zu seyn. Die übrigen alle sindvon schlechter Baukunst, obgleich die Stadt wegen der vielen Thürme, die an den Privat-
häu-
Zahl derEinwohner.
Viele Thür-me.