Band 
[Erste Abtheilung.]
Seite
410
JPEG-Download
 

Nagel vomKreuze Chri-sti-

Aiigustiner-

kirche.

Dominica--nerkrrche.Von der h.Katharineaus Siena.

Fußstopfen

Christi.

Trauring derb. Kathari-na

Fenster, wo-durch Chri-stus gegan-gen.

Warum dieScotistenwider die h.Katharinefind.

Unterschristunter einemMarienbilde.

410 XL.V. Brief. Reist

Unter denen verschiedenen Her'ligchümern, so man allhier verwahret, ist auch einer von deneneisernen Nageln, womit der Heiland anö Kreuz geheftet gewesen seyn soll.

An dem erzbischöstichen Pallaste, der nahe bey der Domkirche liegt, ist nichts sonder-liches zu sehen.

Die Jesuiterkirche ist schön und mit vielen marmornen Statuen gezieret.

Bey den Augustinern ist der Hauptaltar wegen seiner schönen Marmorarbeit zu bese-hen. Nächst dem Liborlo oder Tabernakel stehen zweene Engel aus weißem Marmor, wel-che brennende Wachslichter halten.

In der Dominicanerkirche sind viele Deutsche, so zu Siena studiret haben, begraben.Das Haupt der heil. Katharine von Siena, welches einer ihrer Landsleute, da sie zu Romgestorben war, ihr aus heiligem Eifer abgehauen und nach Siena gebracht, wird allhier mitgroßer Ehrerbiethung aufgehoben, und jährlich nur zweymal gezeiget. In einem Schrankezeiget man ihr Bildniß, welches von einem Maler, als sie einsmals in einer Entzückung ge-legen, verfertiget worden, und viele Wunder thut; desgleichen steht man unter einem Ge-häuse vor diesem Schranke auf dem Fußboden in Stein eingedrückte Fußstapfen des HerrnChristi, welche er daselbst hinterlassen, als er einsmals bey der besagten Katharine eine Be-suchung abgeleget hatte. Auf dem Hauptalcare zeigen sich zwo treffliche marmorne Sta-tuen, deren die eine St. Wagdalenen, die andere Katharinen von Siena abbildet. DieGemälde von der Kapelle dieser letztem hat Sodorno verfertiget. Man hätte viel zu thun,wenn man den Lebenslauf dieser Heiliginn genau untersuchen wollte. Die hiesigen Domini-caner besitzen noch den Trauring, welchen ihr der Heiland gegeben, als er sich öffentlich undmit vielem Gepränge, wobey auch David auf der Harfe spielen müssen, mit ihr vermählet.Das Haus, so sie nebst ihren Aeltern zu Siena bewohnet hatte, ist in ein Oratorium und ihrebesondere Kammer in eine Kapelle verwandelt, in welcher die Skuccatur-Bildhauer - Ma-lerarbeit und Vergoldung nicht gesparet sind. Insbesondere zeiget man daselbst das Fen-ster, wodurch der Herr Christus oftmals zu ihr gekommen. Was man von den fünf Wun-denmaalen, welche ihr der Heiland eingedrückt haben soll, erzählet, ist bekannt genug, undsind von dergleichen Dingen eine Menge Bücher mit Vorwissen und Gutfinden der obernGeistlichkeit von der römischen Kirche in Druck gegeben worden. Die einzigen Scotistenmachen nicht viel Wesens aus dieser Heiliginn, weil sie nach einer dieöfalls gehabten Offen-barung ausgesaget hat, wie Maria, die Mutter Christi, gleich andern Frauen, in der Erb-sünde empfangen sey, wodurch dann der Offenbarung, welche die heil. Brigitte für die un-befleckte Empfängniß der Mariä erhalten, und welche die Thomisten mit vielem Eifer fürihre Meynung anzuführen wußten, kein geringes Gegengewicht gegeben worden ist H.

Bey der Dominicanerkirche ist noch eines alten Gemäldes, das Mariam mit ihremKinde auf den Armen vorstellet, Erwähnung zu thun. Die darunter befindliche Schriftsaget zwar gerade das Gegentheil von dem, was des Verfassers Meynung mag gewesen seyn,indem sie lautet:

Xle 6mäo cle 8erus äicbus Zepinxit smoenie,

Onem Ottnlius lenis uullis nolit s^ere

Anno v. xiccxxi.

Allein dieses ist nicht die Hauptsache, wodurch dieses Stück eine Aufmerkung erwecket hat;sondern weil solches nach den damaligen Zeiten nicht übel gerathen, so nehmen die Sienenser

daher

») Con5. LIIS50«, 1*. H, p. zic>.